Da hier gerade wieder einmal metabene die Metaebene vermessen wird, vermessenerweise

und das reflexhafte Reflektieren über das eigene Schreiben sich ja notwendigerweise immer nur am fremden Schreiben (wie genau lässt es sich unterscheiden?) orientieren kann. Und weil man keinen Satz mit und beginnt ohne besonderen Grund und ich immer nicht dazu komme, mich einmal dazu zu äußern: sei hier gesagt: Ich lese gerade wieder einmal fast von vorne bis hinten die EDIT 68, wobei mich die schwedischen Übertragungen und das Berliner Journal nicht berühren, was nicht bedeutet, dass sie falsch sind. Letzteres schon deshalb nicht, weil Freund K., den ich übermorgen treffen werde, mit Jan Brandt in derselben Klasse war, wenn ich es richtig verstanden habe, vielleicht nehme ich die Zeitschrift dann einfach mal mit, leg‘ sie in den Rucksack zu den fünf Flaschen Bier und frag mich dann wo war ich stehengeblieben?

Wie so oft war ich bei den Schreibungen zuerst skeptisch und sah mich vorsichtig um. Die Gedichte von Levin Westermann fand ich großartig. Er ist an verschiedenen Stellen im Netz zu finden, also Spiegelpartikel von ihm: Hier das Gedicht [im flur], [let A equal acceleration] und hier ein PDF mit einer Reihe von Gedichten. Alle ungelesen verlinkt, so viel Vertrauen hab ich jetzt schon! Dann zum Thema im Netz zu finden, der Text, bei dem ich mir tatsächlich nicht ganz sicher bin, ob er eine Reportage ist oder eine Fiktion, wahrscheinlich eine Mischung aus beidem und er spielt ja auch ganz bewusst damit — es geht um jemanden, der sich eine falsche Identität erbaut, beruhend auf einem früh verstorbenen Menschen, dessen ungelebtes Leben nun als glaubhafte Grundlage für dieses Experiment herhalten muss. Sehr interessant geschrieben von Andrew O’Hagan, geht es hier um Neben- und Scheinidentitäten. Ich selber bezeichne dieses Blog ja etwa als Fiktion und mich selber auch als erfundenen Menschen. Aber das ist eine harmlose Spielerei und ich bin mir im Klaren darüber, dass wir alle viele sind und es deshalb nichts besonderes ist, wohlmöglich waren wir alle schon immer viele und sind jetzt nur noch mehr geworden, weil sich unsere Wunschvorstellungen im Digitalen leichter verbreiten lassen. Das Lesen des Textes „Die zwei Leben Ronald Pinns“ ist noch nicht beendet. Ich bin auf so merkwürdige Dinge wie Weavrs gestoßen und fand mich auch an die Figur der von Lynn Hershman Leeson zum Leben erweckten Roberta Breitmore erinnert, die ich im Herbst letzten Jahres in einer Ausstellung kennengelernt habe. Schon 1974 ersann die Künstlerin mit Roberta eine fiktive Existenz, die sich jedoch unerkannt in der sog. realen Welt bewegte und hier etwa einen Psychologen besuchte, welcher auch ein Gutachten über ihre Persönlichkeitsstruktur schrieb, ohne das Spiel aufzudecken. Ebenfalls von ihr ersonnen ist die KI Agent Ruby, die sich allerdings von Weavrs so unterscheidet, dass sie zum einen nicht selber das Netz crawlt, um zu lernen und auch keine fremden Inhalte postet bzw. auf sie verweist, um etwas vorzutäuschen. Der Text korrespondiert ganz toll mit „Nach den Spionen“ von Sascha Macht. Überhaupt habe ich wieder einmal den Eindruck, das es sich bei der Ausgabe um eine durchdachte Kompilation von Texten handelt, bei denen der eine zum nächsten in Bezug steht, so etwa die in Marie Gamillschegs „Wenn sie kommen“ beschriebenen jungen Menschen aus der Stadt, die erstaunt auf eine ihnen fremde Welt schauen, mit dem subjektiven Blick, der in den nachfolgenden und wie schon gesagt ganz tollen Gedichten von Levin Westermann beschrieben wird.

Das dialogische zwischen den Texten ist mir bereits in der Ausgabe 66 aufgefallen, dazu liegt auch ein Entwurf hier bereits bereit, der allerdings vermessenerweise mit einer Reisereportage in Verbindung gebracht werden soll, die einfach noch nicht fertig ist. Dies einfach aus dem Grund der subjektiven Wahrnehmung, dass nämlich das auf der Reise Erlebte ganz erstaunlich und synchron zu dem Gelesenen sich hinzufügte. Aber wenn Zeit eine Rolle spielen würde in diesem Blog, gäbe es es nicht mehr.

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