Nudeln mit Gulaschsuppe

Heute am Morgen, auf dem Weg zu meinem Termin, habe ich im Aegi eine der neuen Bahnen erwischt. Ich fuhr in eine Gegend der Stadt, in die ich sonst nie fahre. Die jetzt viel leiseren neuen Triebwagen, die helle LED-Beleuchtung und dazu noch eine Parfumwolke, die in den Wagen eingebracht worden war und sich mit dem Geruch der neuen Sitze und Türdichtungen vermischte, also wie im Duty-Free-Shop im glitzernden Flughafen, etwa Schiphol. Noch dazu saß ich als alternative Version meiner selbst dort auf den neuen Schalensitzen, mit der lila Krawatte und in Gedanken bereits im Flugmodus, so dass ich mich, mehrere Sekunden lang, tatsächlich in einer groß angelegten Transit-Situation befunden haben muss, denn auch die Zeit verging viel schneller, als sie es normalerweise tut.

Dann der Wechsel zum letzten geklauten Dienstag, bis in unvorhersehbarer Zukunft. Rückfahrt entlang der an der Bahnstrecke aufgereihten Hannoverschen Kaffeemühlen (der Pfeffersäcke, damals wie heute), Nudeln mit Gulaschsuppe, am Nachmittag im Erdgeschoss-Kino im Anzeiger-Hochhaus. „Monsieur Pierre geht online“. Der alte Pierre Richard und ich hingegen seit 1 1/2 Tagen auf der Suche nach einem französisch erinnerten Namen, wie mich jeder fünfte beim Abspann daran erinnert, ist eine andere Geschichte.

Wir saßen dann evakuiert im Elternhaus

Gestern und heute waren wärmere Tage, aber ansonsten war es ungewöhnlich kühl arschkalt in der letzten Zeit. Die Heizung musste immer wieder laufen. Habe die Vermutung, dass der Golfstrom jetzt doch die Richtung wechselt oder kälter wird und aber niemand es für nötig befunden hat, dies einmal zu thematisieren, geschweigedenn. Heute wieder einmal in der Gegend Lister Damm / Pelikanviertel usw. gewesen. Am Immengarten (und das ist wirklich einmal ein sehr schöner Straßenname) sind, von mir bisher unbemerkt, neue Häuser entstanden, wie sie jetzt überall gleichförmig gebaut werden, mit herausragenden kubischen Balkonen und einer Struktur verschobener Quadern. Tetris-Moderne. In Bremen und Hamburg und wo auch immer bereits ähnliches gesehen. Es sind jedenfalls weitere Beweise dafür, dass die Stadt immer dichter bebaut wird und die Lücken sich schließen.

Immer, wenn ich solche Zäune sehe, die an Brachen oder Baustellen angrenzen, dann muss ich daran denken, ob dies ein guter Ort für die Diskettenkunst „a.a.O. (1)“ wäre, die eben leider doch nicht an den nächstbesten Maschendrahtzaun gehängt werden kann.

Das hier jedenfalls ist noch ganz neu und mit Sicherheit werden sich die schönen, glatten Menschen hier wohlfühlen, für die diese Bauwerke errichtet wurden, während sie im Internet nach Achtsamkeitsseminaren googlen, weil sie so eine Leere im Innern verspüren. Zwischen Podbielskistraße und Mittellandkanal aber, mehr in Richtung Mittellandkanal, gibt es sehr viele Kleingärten, in die ich auf dem Rückweg von meinem Termin kurz reingerate, in der Radellaune, in der ich mich befinde. Ein Wegweiser zeigt „Zum Zahlengarten“ an, den ich aber leider nicht entdecken kann. Auch kann ich mir darunter nichts vorstellen. Erinnere mich gerade an das Déja Vu, dass ich hatte, als ich das letzte Mal in genau dieser Straße gewesen bin, bzw. wiederholte sich dieses gerade oder setzte sich fort. Sie kennen das.

Sie haben vielleicht von der Bombenentschärfung vor ca. einer Woche gehört. Auch dort, wo das nun verkleinerte Busdepot war und davor noch ein Straßenbahn-Betriebshof, Wohnungsbau. Dagegen ist jedoch eigentlich nichts zu sagen, die Menschen müssen wohnen und jedenfalls ich möchte hier keine Hamburger Verhältnisse haben. Wir saßen dann evakuiert im Elternhaus am Stadtrand und lasen in regelmäßigen Abständen auf den Handies, wie es um die Dinge stand. Sobald es etwas Neues gab, erzählten wir uns davon, sprachen auch sonst darüber, wieviele Bomben es wohl noch gäbe in der Erde, wie die Oma einmal ein neues, weißes Kleid anhatte und dann in den Luftschutzkeller musste, usw. Ich habe aber auch, zumindest teilweise, den Wikipedia-Artikel über Amseln gelesen und erzählte auch davon. Am Morgen nämlich eine Amsel gehört, wie sie vor dem Fenster sang, natürlich ein ganz anderes Lied als der Vogel in unserem Baum. Eine Zweite antwortete jedenfalls, ein ganzes Stück entfernt, mit eigentlich garnicht zu unterscheidenden Wiederholungen des jeweils vorangegangen Melodiestückes. Das nennt sich Kontergesang und der jeweilige Vogel möchte damit zeigen, dass ihm der Baum gehört.

Dies ist ein Film von dem Busdepot, aufgenommen am 17. November 2011. Sehr vieles, was dort zu sehen ist, ist nun verschwunden: Die Bahnschienen, die immer noch im Kopfsteinpflaster lagen, die Häuser, das Kopfsteinpflaster selber und das gelbe Licht der Laternen. Die Laternen selber. Tunken wir doch den Kupferdraht tiefer in den Äther ein vergewissern uns, dass es einmal eine Vergangenheit gab.

In den Bildern

Der Rossmann-Fotodienst hat jetzt den dritten Film überbelichtet entwickelt. Einerseits mag ich den Effekt, der sich dadurch ergibt, die Fotos sehen aus wie aus einer anderen Zeit. Andererseits lasse ich wiederum keine Abzüge machen, um schlechte Fotos zu haben, aus denen ich dann mit Scanner und Nachjustierung wieder etwas mache, was der gesehenen Wirklichkeit näher kommt. Aber wenigstens ist es keiner dieser unsäglichen Patina-Filter, mit denen häufig versucht wird, den Bildern (und also dem eigenen Dasein?) mehr Bedeutung einzuhauchen, was in den meißten Fällen leider das Gegenteil bewirkt, für Bild wie auch für Dasein.

Booterstown Train Station, Co. Dublin

Ligne de Métro n°9

Ein schöner Zufallsfund, der sich neulich bei einer Recherche für etwas ganz anderes ergab, sind die Fotos, die Thonon ins Netz stellt. Stille, schwarz-weiße Aufnahmen von unterwegs. Besonders die Serie Ligne de Métro n°9 fand ich sehr schön. Es werden Aufnahmen der hannoverschen Stadtbahn Linie 9 gezeigt, die vom Fasanenkrug nach Empelde fährt. Zu meiner Schulzeit bin ich sehr oft mit dieser Linie gefahren, als Teil des Schulwegs zwischen Kröpcke und Lindener Hafen. Sie fuhr damals noch von der Alten Heide ab und hieß eine Zeit lang auch noch Linie 19. Es sind sehr schöne, filmische Aufnahmen, die mir meine wohlbekannte Stadt mit einem anderen, vielleicht fremderen, Blick zeigen, den ich nicht haben kann und mir manchmal wünschen würde. Selten ist es, dass ich mich in einer fremden Stadt fühle, ich habe auch noch nicht ganz herausgefunden, woran es dann liegt.

ihmezentrum2008-06-16

Das zweite Fundstück habe ich beim Rekonstruieren der alten Blogeinträge gemacht, was immer noch im Gange ist. Es sind Aufnahmen aus dem Jahr 2008, die ich selber gemacht habe und die den Küchengartenplatz zeigen, kurz bevor die Fußgängerbrücke zum Ihmezentrum abgerissen wurde. Jetzt sind die Fotos eine Erinnerung daran, wie der Küchengarten einmal ausgesehen hat und natürlich den beginnenden Verfall des Ihmezentrums. Wie ich vorhin erst gesehen habe, ist an einem der Brückenpfeiler ein Plakat zu sehen, auf dem ein Freund abgebildet ist und das für ein Konzert mit ihm warb.

Gestern zaghafte Schritte

im mitt- und nachmittäglichen Müßiggang. Limmerstraße, Steet Kitchen, die Linie 10 zum Steintor. „Love & Friendship“ im Hochhaus-Kino, dass wohl umgebaut wird. Jedenfalls waren wir in einem improvisierten Kinosaal plaziert, im Erdgeschoss. Dicht in eine Reihe gestellte kubische Corbusier-Sessel, die erste Reihe dann konsequenterweise die LC4 Chaise Lonque. Wir saßen weiter hinten auf unbequmen Stühlen. Ein schöner Raum mit interessanter Beleuchtung, viele Lampen an den Wänden und eine indirekte Lichtquelle hinter Glas, die wie Tageslicht wirkt. Kein Foto. Der Film (nach einem Roman von Jane Austen) nimmt gemächlich Fahrt auf und ist dann vorbei, als er richtig lustig wird. Schöne Kostüme und gescheite Dialoge. Kann aber gut angeschaut werden, an einem Montagnachmittag im Januar.

Die Bahn verpasst und eine Station zu Fuß

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gegangen heute am Abend. An der Stockholmer Allee, kurz vor dem Aufgang zu den Hochbahnsteigen, lief dann noch ein Hase, aber ich glaube sogar ein Fuchs, über die Schienen, schnell. Es war nicht so gut zu erkennen welche Art von Tier.

Bei der Endhaltestelle eine tolle, weiche Wiese, in der die Schuhe versinken, die vom Winter, Wind und Regen ganz wellig geworden ist.

Auch die Amsel. Aber die darf ich nicht ein drittes Mal zeigen. Gestern bin ich auch bereits aufgefallen, als ich dort stand und aufnahm.

Losgehen

aus dem Haus unter der Birke hindurch an die Ecke dann durch den Säulengang hindurch (darüber wohnen ja bereits Leute) von Ferne grüßt bereits das Ampellicht (noch) mit Grün schnell ein paar Schritte rennen dann über die erste Ampel dann an der zweiten Ampel warten. Wenn in die Gegenrichtung eine Bahn kommt dauert es länger da diese Bahn den kreuzenden Verkehr per Ampelschaltung stoppen kann und so allerdings auch die Menschen, die ggf. zu der anderen Bahn möchten (die gerade anrauscht, evtl.) denn die Bahnschienen laufen in der Mitte der Straße entlang und dort sind auch die Haltestellen, also wartet man dort mit den anderen Leuten die dort warten dann kommt die Bahn dann fahre ich bis zur vierten Station dort steige ich aus und gehe entgegen der Fahrtrichtung zur ersten Rolltreppe, wenn ich hier genau schaue und die Bahn dort steht kann ich vielleicht sehen welche Bahn dort steht und ob ich rennen sollte ggf. dann Kehrtwende und vielleicht auf der zweiten Rolltreppe nach unten lieber nicht atmen falls die Penner nachts wieder in die Ecke gepinkelt haben neben der Schlafstelle, die sie wenn es kalt ist benutzen, dann kommt die Bahn vielleicht gleich und vielleicht kann es sein das ich mich schon versucht habe so hinzustellen dass sich die Tür direkt neben mir aber nicht vor mir befindet beim Anhalten der Bahn denn befünde sich die Tür direkt vor mir müsste ich den Aussteigenden Platz machen und könnte dann nicht als einer der ersten in die Bahn einsteigen um mir einen Platz zu ergattern, denn ich brauche ja einen Sitzplatz, vernünftigerweise, wenn ich lesen möchte und ich möchte eigentlich immerzu lesen die ganze Strecke über damit die Zeit nicht sinnlos verstreicht (manchmal aber lasse ich die Zeit auch sinnlos verstreichen und habe dann jedoch nicht das Gefühl dass die Zeit sinnlos verstreicht sondern stelle mir Dinge vor) damit die Zeit nicht sinnlos verstreicht, dann fahre ich soundsoviel Stationen die ich bis heute mit Mühe beim Namen in der richtigen Reihenfolge aufzählen könnte, fahre ich bis an den Stadtrand, nach der Station Brabeckstraße packe ich oft schon das Buch weg und mache ggf. die Musik aus, um mir die vorbeiziehende Landschaft anzuschauen und wie der neue Tag so aussieht.

Am Morgen gehen die Türen der Straßenbahn auf

an der Haltestelle Zuschlagstraße, bei den Parzellen, gleich ist ein Geruch von Holzfeuer im Waggon, an diesem grauen Anfang des Tages. Wie gut ich diesen kenne. Müsste nur wollen, dann ginge es vielleicht. Ein paar Meter weiter wären auch Schafe, da hat sich jemand einen Stall in den Garten gestellt. Im Frühjahr und Sommer stehen sie am Zaun und schauen der Straßenbahn zu, wie sie vorbei fährt und mir auf dem Fahrrad. Gegenüber allerdings dann, gleich hinter der Haltestelle, das gegen Widerstand errichtete Tierversuchslabor.