In den Bildern

Der Rossmann-Fotodienst hat jetzt den dritten Film überbelichtet entwickelt. Einerseits mag ich den Effekt, der sich dadurch ergibt, die Fotos sehen aus wie aus einer anderen Zeit. Andererseits lasse ich wiederum keine Abzüge machen, um schlechte Fotos zu haben, aus denen ich dann mit Scanner und Nachjustierung wieder etwas mache, was der gesehenen Wirklichkeit näher kommt. Aber wenigstens ist es keiner dieser unsäglichen Patina-Filter, mit denen häufig versucht wird, den Bildern (und also dem eigenen Dasein?) mehr Bedeutung einzuhauchen, was in den meißten Fällen leider das Gegenteil bewirkt, für Bild wie auch für Dasein.

Booterstown Train Station, Co. Dublin

Ligne de Métro n°9

Ein schöner Zufallsfund, der sich neulich bei einer Recherche für etwas ganz anderes ergab, sind die Fotos, die Thonon ins Netz stellt. Stille, schwarz-weiße Aufnahmen von unterwegs. Besonders die Serie Ligne de Métro n°9 fand ich sehr schön. Es werden Aufnahmen der hannoverschen Stadtbahn Linie 9 gezeigt, die vom Fasanenkrug nach Empelde fährt. Zu meiner Schulzeit bin ich sehr oft mit dieser Linie gefahren, als Teil des Schulwegs zwischen Kröpcke und Lindener Hafen. Sie fuhr damals noch von der Alten Heide ab und hieß eine Zeit lang auch noch Linie 19. Es sind sehr schöne, filmische Aufnahmen, die mir meine wohlbekannte Stadt mit einem anderen, vielleicht fremderen, Blick zeigen, den ich nicht haben kann und mir manchmal wünschen würde. Selten ist es, dass ich mich in einer fremden Stadt fühle, ich habe auch noch nicht ganz herausgefunden, woran es dann liegt.

ihmezentrum2008-06-16

Das zweite Fundstück habe ich beim Rekonstruieren der alten Blogeinträge gemacht, was immer noch im Gange ist. Es sind Aufnahmen aus dem Jahr 2008, die ich selber gemacht habe und die den Küchengartenplatz zeigen, kurz bevor die Fußgängerbrücke zum Ihmezentrum abgerissen wurde. Jetzt sind die Fotos eine Erinnerung daran, wie der Küchengarten einmal ausgesehen hat und natürlich den beginnenden Verfall des Ihmezentrums. Wie ich vorhin erst gesehen habe, ist an einem der Brückenpfeiler ein Plakat zu sehen, auf dem ein Freund abgebildet ist und das für ein Konzert mit ihm warb.

An einem Vormittag liefen wir die Booterstown Av. hinunter und ich fotografierte mit dem Handy die Telefonkabel, die sich über die Straße spannen.

(Dublin II) (I)

Ich glaube, im Notizbuch habe ich nicht eingetragen, dass uns auf dem Weg die Kirchgänger in ihrer Sonntagstracht entgegenkamen, die vermutl. alle vorhatten, am Abend in den Pub zu gehen und daher die Hl. Messe bereits am Samstag absolviert hatten, damit alles seine Richtigkeit habe.

 

Es gibt Nord, Mitte und Süd

Als ich am Linedener Marktplatz aus dem Bus stieg, regnete es bereits. Ich hatte aber einen Müllsack über das Hemd auf dem Bügel gestülpt und war so, mit Hemd auf dem Bügel im Müllsack, mit der Bahn hierhin gefahren. Dann stand ich, weil noch etwas Zeit war, vor einer Bäckerei unter einer Markise, eingehüllt vom Brötchenduft. Da ist mir eingefallen, dass mich dieser Geruch an die Kindheitsurlaube erinnert, in denen ich am Morgen den weiten Weg von der Ferienwohnung in Norddorf bis zum Café Schult lief, um Brötchen für das Frühstück zu kaufen. Es dürften wohl ca. 150 Meter gewesen sein und der Weg ging durch eine kleine Senke, wobei zur linken Seite eine hohe Mauer aus Natursteinen stand, in deren Fugen das Gras wuchs.

Dann noch kurz N. getroffen. Cappucino im Les Ersatz. N. liest aus einem Artikel eines gemeinsamen Bekannten in einem Stadtmagazin vor. Wir sprechen über die stadtteilinternen Grenzen (es gibt Nord, Mitte und Süd) und wie das alles ist mit den neuen und den alten Einwohnern, den Mietpreisen, dem Fluss usw.

(Nokia 6230i)

Zu Fuß zur Bahnhaltestelle. Linie 10 zum Bahnhof, N. steigt an der Glocksee aus und nimmt den Bus. Die Bahn ist wieder recht voll. Das Buch ist hoffnungslos unter dem Einkauf, Kleiderbügel usw. am Boden des Rucksacks vergraben. Also schreibe ich drei Nachrichten auf dem Handy, während wir durch die Goethestraße ruckeln.

Die Stadt kommt ganz zu sich

Schönes Nieselregenwetter heute, mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Die Stadt kommt ganz zu sich bei dieer Witterung, mit ihrer ganzen wunderbaren Ungemachtheit. In der letzten Zeit hat sich die Sicht auf all das noch einmal geändert. Häuser und Straßen erscheinen oft größer, fremder und abweisender, aber der Blick auf diese altbekannten Gebäude und Wege ist ein interessierter. Dazu heute ein Erlebnis von etwas Unbekanntem gehabt, in einer Straße gewesen, in der ich sonst nie bin, obwohl sie auf einen Platz mündet, den ich des öfteren überquere. Das war in Linden. Heute Abend geht es noch einmal in diese Richtung, aber nicht ganz so weit, dafür mehr nach rechts, an der Leine entlang.

nach oldenburg (oldenburg)

im zug nach oldenburg RE 4418 stehe ich gerade in bremen da werde ich nachher vielleicht wieder stehen, also sitzen, während aber der zug steht oder zumindest anhält, innerhalb dieser langen pendelbewegung die ich heute beschreibe. phantom-anfahrt wenn ich denke der zug fährt ganz langsam an dabei bin ich es nur, der sich ein stück zurück bewegte gedanken verloren neben den gleisen. die lärmschutzwände die häuser neben den bahnschienen jetzt die ansagen im bahnhof. der ewige standard-ton bei eintreffender textnachricht die fahlen geäste der gebüsche am 1. Februar. pferde gehöfte sehr viele häuser die die menschen wohl schön finden müssen die in ihnen wohnen. die kleinen städte. die einfahrt nach bremen, hier eine lange reihe wohnhäuser ohne schallschutzmauer die ja nur den blick auf die gleise versperren würde, aus den fenstern und von den balkonen aus. weiter gehts gleich über die weser. leider nicht nach norddeich für mich wie schön es wäre.

hinter bremen stehen schwarze rinder auf einer wiese, es ist noch eis in einem kanal. das wintergrün. ein kind lernt kostbar sprechen auf dem viererplatz nebenan es zeigt aus dem fenster und macht jeweils dengleichen laut, in etwa. in delmenhorst gibt es ein linoleumwerk.

[Aufgeschrieben auf dem Smartphone während der Zugfahrt, ein paar Tippfehler korrigiert]

———

Als ich nach dem Gespräch das Haus verlasse, ist es schon Dunkel. Ich muss mit dem Bus 321 zurück zum Hauptbahnhof, wo ich vorhabe, mir ein belegtes Brötchen und eine Flasche Bier zu kaufen, um dann den Regionalexpress zurück nach Hannover zu nehmen. An der Bushaltestelle, die vor dem Parkplatz eines Shopping-Centers mit real,-Markt liegt, steht eine Frau, vielleicht 25, mit ihren Einkaufstüten und dampft E-Zigarette Geschmacksrichtung Banane. Am Abend erschließt sich mir die Stadt rechts und links der Buslinie ein wenig besser, ich sehe gemütlich beleuchtete Kneipen etc., sehe, wo mehr oder weniger los ist, einfach daran, wieviele Menschen unterwegs sind. Eine Straße heißt „Ewigkeit“, eine Straße heißt „Nikolausstraße“, dass ist bevor es über einen Kanal geht, was ich schon von der Hinfahrt weiß. Erinnere mich eigentlich garnicht an die Stadt, die ich Mitte/Ende der 90er Jahre einmal kurz für einen Tag besucht habe, eigentlich nicht die Stadt, sondern einen Freund, den es zum Zwecke seines Musikstudiums hierher verschlagen hatte. Den Tag verbrachten wir dann garnicht einmal in Oldenburg in Oldenburg, sondern in Dangast, wo wir, dass aber weiß ich noch, Rhabarberkuchen aßen, weil zu der Zeit ein unglaubliches Getue um den Rhabarberkuchen in diesem Café in Dangast veranstaltet wurde. Ganze Motorradgangs reisten hier am Wochenende an, nur um den Rhabarberkuchen zu essen, Kaffee zu trinken und selbstgedrehte Zigaretten zu rauchen. Danach spazierten sie am Strand einmal bis zum Riesenpenis undzurück. Wir taten genau das, und abends waren wir zurück in der Stadt in einer Kneipe an diesem großen Kreisel, den der Bus auch durchfährt auf dem Weg zurück. Die Legende geht, dass die Kaninchen, die die Grünfläche im Kreiselinnenraum besiedeln, niemals nach außerhalb des Kreisels gelangen und es auch garnicht wollen. Es ist dunkel draußen, so das ich mich ganz auf die mitgebrachten Lektüre bzw. den Textfunk konzentrieren kann. Ein ungleiches Paar, eine Zufalls-Zweckgemeinschaft, sie, vielleicht 28, fährt bei ihm, vielleicht 55, auf der Fahrkarte 20 Minuten lang mit bis zum nächsten Umsteigebahnhof (Hude? Bremen?), wo sich ihre Wege wieder trennen werden. Sie studiert vielleicht in Oldenburg, er war zu Besuch, als sie aussteigen, hat er ihr bereits sehr viel aus seinem Leben erzählt, wie lange er mit der Frau zusammen war, die er gerade Besucht hat, aktueller Beziehungsstatus (fährt er jetzt wieder hin), wie das alles gewesen ist usw., sie ist zögerlicher, aber erzählt ihm doch ein paar Dinge, waren immer zufälligerweise in getrennten Städten, aber jetzt sind es doch bereits sechs Jahre, vielleicht wäre es ja doch mal ganz schön. Dann gibt man sich die Hand und sagt lebewohl.

Sagrada Familia I-III (26.9.2016)

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Diese Aufnahmen entstanden vergangenen Herbst während einer Barcelona-Reise mit unserer nicht ganz so heiligen Familie, der erste Urlaub mit meinen Eltern nach einer langen Pause. Nachdem wir schon sehr oft in der Stadt gewesen sind, war dies das erste Mal, dass wir dort eine Kirche besichtigt haben. Ich finde es ganz großartig, wie die Geräusche der andauernden Bauarbeiten das sakrale Gebäude mit Klang erfüllen. Seit weit über 100 Jahren wird an dem Bauwerk gearbeitet, die Fertigstellung ist für das Jahr 2026 angedeutet. Wie groß Ideen werden können und wie weit sie das Menschenleben selber überdauern können. Wie unwichtig Zeit sein kann.

Die Audiodatei kann hier heruntergeladen werden.