Die Geschwindigkeit von Schall

Heute in der Nacht, als ich das zu Schreibende soweit vorangebracht hatte, dass ich zufrieden war, obwohl ich nicht im Geringsten weiß, ob es so funktionieren kann, da hatte ich noch einen anderen Text auf den Fingerspitzen. Der jedoch ist nun verschwunden, weil ich ihn nicht gleich in einen Artikelentwurf hineinschrieb. Aber das macht nichts. (8. Juli)

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Luftröhre, Sonne, Knollenblätterpilz,
Glaube Liebe Hoffnung,
fünf gefaltete Adressaufkleber und eine Meerschaumpfeife:
1 Fach, in welchem 2 finger­lange Engel hausen.

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Immerzu wollen Verbindungen herstellen, dabei können auch Dinge einfach so beeinander stehen und müssen nicht das Geringste miteinander zu tun.

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Was es für Bilder sind, die einen in den frühen Schlaf begleiten, wenn im Fernsehen noch eine Sendung über z.B. Supernovae läuft.

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Das Bild habe ich mit Textmarker und Edding auf den Umschlag gemalt, in dem der Steuerbescheid für das Jahr 2016 mich kürzlich erreichte. Es ist für den Preis von 519,- € zu erwerben (Rahmen von Rossmann inkl.)

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In einem weiteren Traum, letzte Nacht, folgende vertrackte Raumsituation: Wir waren umgezogen in eine neue Wohnung und ich ging, nachdem wir bereits eingezogen waren, zum ersten mal in den Keller. Der stellte sich als sehr geräumig heraus und aus einem großen Giebelfenster hatte man einen schönen Blick auf den Maschsee. Das erklärte sich daraus, dass das Haus kompliziert an den Hang gebaut war. Jedenfalls war hier alles sehr wohnlich, vor dem Fenster befand sich ein Bett und es stand auch ein Bücherregal an einer Wand, welches diverse großformatige Fantasy-Chicken enthielt. Das alles waren Dinge, die wir vom Vormieter überlassen bekommen hatten. Leider stellte sich heraus, das in einem über Eck mit dem anderen Raum verbundenen Teil des Kellers statt einer Wand ein Absperrband zu finden war, welches den Keller von einem benachbarten Markt abtrennte. Zuerst war nur ein Angestellter dort, der etwas verwundert war, mich zu sehen und dem ich noch erklären konnte, dass wir jetzt die Wohnung inkl. Keller gemietet hätten. Der Vormieter hatte nämlich diesen Teil des Raums dem Markt überlassen, der ihn als Verkaufsfläche oder Lagerraum nutzte. Jedoch gehörten auch alle sich hier in den Regalen befindlichen Bücher desselben Formats wie in unserem Regal nun uns, dessen war ich mir sehr sicher. Ich weiß, dass ich auch hier wieder mehrere der Titel las, aber ich kann mich nach dem Erwachen wiederum an keinen einzigen erinnern.

Ich überlegte noch, wie ich es anstellen könnte, diese unschöne Situation mit der offenen Wand bspw. mit Rigips-Platten zu beheben. Der Markt hatte aber inzwischen geöffnet und bald kamen die Kunden auch in unseren Teil des Raums gestapft, so dass ich meine liebe Not hatte, ihnen begreiflich zu machen, dass dieser Teil ab sofort nicht mehr zu dem Laden gehörte. Zum Schluss schrie ich einige an, sie sollten jetzt hier verschwinden, kam dann aber auf die Idee, schnell ein paar Schilder aufzuhängen, die ich z.B. mit einem dicken Filzstift schreiben wollte — ab sofort gesperrt, Privat, bitte nicht betreten usw. – es fand sich aber auf die Schnelle weder der passende Stift und statt Papier lag auch nur ein Stapel alter Tageszeitungen in einer Ecke auf dem Boden, auf denen ich diese Hinweise wohl nicht glaubwürdig würde notieren können.

Aber der Ausblick auf den See war wirklich sehr schön. (23. Juli)

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Mit dem Finger so Linien nachzeichnen wie bei ganz nebenbei angefertigten Telefonkritzeleien.

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In dieser Nacht gab es glaube ich auch ein Gewitter. Mir kommt das widersinnige an dem Wort „Blitzlichtgewitter“ in den Sinn, denn warum sollte an einem Gewitter betont werden, dass es blitzt? Es ist wohl vielmehr ein Wort, in dem das Phänomens der Blitze deshalb betont wird, um zu behaupten, dass es sich, trotz des fehlenden Donners, doch um ein Gewitter handele.

Ich zähle, 21 — 22 — 23 –, wie weit entfernt der jeweilige Blitz niederging, während ich inmitten des Spektakels liege. Die Mutter hatte mir einmal erzählt, dass jede Sekunde einen Kilometer Entfernung vom Blitz bedeuten würde. Der Schall hat aber ja eine Geschwindigkeit von ungefähr 340 m/s, was bedeutet, dass der Kilometer mit drei Sekunden gezählt werden müsste. Auch daran habe ich gedacht.

Die Schallgeschwindigkeit in trockener Luft von 20 °C beträgt 343,2 m/s (1236 km/h).

Der merkwürdige Gegensatz zwischen dem so plötzlich sich ereignenden Blitz und dem dann später, also je nachdem, aufgrollenden Donner, bei dem ich bestimmt hören konnte, wie er sich von einem Horizont zum anderen ausbreitet und dabei nach allen Seiten ausdehnt, sich gleichzeitig aber verändert und dann, zum Schluss, fast unmerklich langsam wieder verschwindet.

 

 

 

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Heute am Morgen, auf dem Weg zur Bahn, rollt mir am Hochbahnsteig ein Mann im Rollstuhl entgegen, der offenbar aufgrund seiner Körperfülle nicht laufen kann. Er spricht mich an, Entschuldigung, wissen Sie ob hier ein Optiker in der Nähe ist? Ich habe nur eine Vage Ahnung, deute in eine Richtung und sage ihm das so. Seine Brille ist aus hellbraunem Glas. In der Bahn einer mit einem ROllator, am Hauptbahnhof auf dem Bahnsteig, wo ich zehn Minuten warten muss, weil ich wieder viel zu früh dran bin, steht einer mit einem sehr großen Elektroscooter in dunklem Rot. Alles kann ein Zeichen sein, etwas bedeuten.

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Gerade, beim fertigstellen der Blitz-Illustration im Grafikprogramm, starkes Déja-Vu über mehrere Sekunden. 21 — 22 — 23 —

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Geburtstagseinladung von T. via WhatsApp-Gruppe / Bei Doctor Who tatsächlich in dem Augenblick weggenickt, als gerade alle aus vollen Rohren auf den Dalek schießen / Nach dem Termin geschaut, wie weit es mit dem Fahrrad wäre und wie man gut dahin kommen würde. Es wären 15 Kilometer, einen guten Teil der Strecke (bis kurz nach der Noltemeyerbrücke) könnte ich am Kanal langfahren.

Elfmeterschießen

Ein halbes Pfund Lakritze & auf Insta Bilder aus dem Neandertal. Ich bin der Fisch im Trüben, mein Fahrrad parkt an der Laterne da vorn. Die leuchtet ihr gelbes Licht auf die ölige Straße herab.

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Der letzte Dienstag war ein geklauter Dienstag, jedenfalls ab 12 Uhr ungefähr. Wir waren dann am Nachmittag wieder einmal im Hochhaus-Kino, welches jedoch nach wie vor im Parterre stattfindet. Nur statt dem Sammelsurium teurer Sessel hat man sich mittlerweile für die unbequemsten entschieden. Sind inzwischen ja routinierte Müßiggänger, wenn wir mit den Rentnern in die Nachmittags-Vorstellung gehen. Ein Kuss von Béatrice mit einer tollen Catherine Deneuve, die ich zuletzt in „Das brandneue Testament“ gesehen habe, an Karfreitag 2016, wobei entweder das КИНО auf Risiko spielte und den Film trotzdem (gerade deswegen) zeigte, oder aber die Moralzensurbehörde es versäumt hatte, den Film auf den vermaledeiten Feiertags-Index zu setzen. Ich wollte immer eine Kritik dazu schreiben, die aber bisher nicht zustande kam. Jedenfalls so ein toller Film ist es, dass er eigentlich am Karfreitag nicht gezeigt werden dürfte, ginge es nach der Obrigkeit und der Katholischen Kirche.

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„Ein Kuss von Béatrice“ ist auch ein toller Film, in dem Catherine Frot zeigt, dass sie der Deneuve jedenfalls durchaus den Whisky reichen kann. Gut, dass ich mich nicht davon irritieren ließ, dass die Elle den Film auch gut fand, wie der Trailer vermeldet. Das Schöne an dem Film jedenfalls ist, oder das Besondere, vielmehr, das einerseits der grundlegende Konflikt nicht weiter erklärt wird, denn es ist einfach viel zu lange her. Auch gut, dass das bittere Ende nicht gezeigt wird. Wir wissen alle, was passieren wird, aber es ist nicht notwendig, hier ins Detail zu gehen.

Danach weiter mit dem Rad durch die große Baustelle, die sich seit Neuestem vom Steintor bis zum Clevertor erstreckt und die Stadt so schön improvisiert erscheinen lässt, an dieser Stelle. Kabelstränge hängen, an Holzmasten befestigt, über die Fahrbahn. Die Frau im Da Piu erzählt, dass sie die Weinstöcke Anfang der 80er eingepflanzt hat. Die blonden Frauen neben uns am Tisch zeigen Fotos ihrer vergangenen und zukünftigen Hochzeitskleider auf ihren Smartphones. Dann holt die eine einen Beutel Tabak raus und dreht sich eine Zigarette und ich bin überrascht, wie schnell ich mir ein Urteil erlaube und wie wenig es braucht, dies wieder in Frage zu stellen.

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Auch am Donnerstag vibriert die Luft vor Ambivalenzen. Seit 12 Uhr hängt das Gewitter im unentschiedenen Himmel und wartet auf das Elfmeterschießen. Später Gesprächstermin am frühen Abend, danach treffe ich mich mit R. und F. im Biergarten an der Yachtschule. Drinnen geschlossene Gesellschaft, stellenweise Applaus für irgendwas auf der Außenterrasse. Wir sitzen unter einen Schirm, der aber, wie sich bald herausstellt, keinen Schutz gegen wolkenbruchartigen Regen mit eher horizontalem Verlauf bietet. Kalt ist es nicht, aber mein Hemd ist bald vollkommen durchnässt. Als ich einmal auf die Toilette, die sich der Biergarten mit der Restauration teilt, gehe, halte ich Herbert Schmalstieg, dem ewigen Bürgermeister, die Tür auf, der mir von drinnen entgegenkommt. Aber wir trinken trotz Unwetter noch die Biere aus und laufen dann den Altenbeckener Damm hoch zur Haltestelle, als das schlimmste Unwetter vorüber ist und versuchen nicht in die matschigen Pfützen zu treten. R. zählt weiterhin – 21 – 22 – 23 – – wie weit das Zentrum des Unwetters von uns entfernt ist.

Karteikarten

Am Vormittag die Mappe, in welche die Beraterin beim Bildungsträger die Werbung usw. hineingetan hatte, zu Karteikarten zerschnitten, wie ich sie zur Ordnung der Fotoabzüge brauche. So wird alles wieder verwendet und geht von einem Ordnungssystem in ein anderes über, zu dem es wohlmöglich sogar in Opposiotion steht, aber das würde jetzt zu weit führen.

 

Die Kartoffeln, die ich schälte, hatte ich auf dem Markt gekauft am letzten Mittwoch. Sie sind allesamt etwas nierenförmig gewachsen, so dass das Schälen der nach innen gewölbten Seite recht schwierig war.

Nachmittags nach Linden gefahren und wieder zurück. Die Stadt brummt und es ist warm. Wie üblich fahren alle auf die Kreuzungen, sobald es grün ist, was im Endeffekt noch viel größere Staus verursacht. Sobald jedoch ein Mensch im Auto am Steuer sitzt, besteht nunmehr nur noch die eingeschränkte Fähigkeit, die Mitmenschen wahrzunehmen oder das kleine Einmaleins anzuwenden.

Als ich zurückkam, fing wieder der Regen an. Habe jetzt mithilfe von Ventilatoren die Wohnung um 0,5 Grad herunterkühlen können. Auf dem Dachfirst gegenüber eine Dohle. [30.5.2017]

Auskristalisierungen

Die Formulare der Steuererklärung gehören zu den reinsten Auskristalisierungen des Staates, die wir kennen. Sie sind die verschlossenen Türen eines geheimen Wesens, dass sich hermetisch gegen seine Ernährer abzugrenzen sucht. Es ist nicht alles schlecht, aber dass diese Papiere in einer Geheimsprache verfasst sind, ist faul und stinkt. Worte wie Spendenvortrag, Verlustrücktrag, Opfergrenzenberechnung sind spitze Stacheln des Drahtes, der um das Gebilde aus Obrigkeitshörigkeit und Bürokratie geschlungen ist.

 

Wenn die in allen Gesellschaften nötige „Administration des menschlichen Lebens“ (Stonebridge) in so etwas wie bürokratische Prozesshörigkeit umschlägt, wo das Einhalten des Prozesses über dem individuellen menschlichen Leben steht, dann haben Institutionen das Denken der administrierenden Menschen ausgeschaltet.

Die Bierwerbung im Fernsehen, in der zwei gleich aussehende Gläser mit gezapftem Bier nebeneinander stehen und als abschließende Geste eines der Gläser mit einer sicheren, akurat ausgeführten Bewegung so positioniert wird, dass schlussendlich beide Embleme genau auf 90 Grad ausgerichtet sind und dem Zuschauer in einer perfekten Symetrie präsentiert werden.

Wenn eine Angelegenheit sehr lange erwogen worden ist, kann es, auch ohne daß die Erwägungen schon beendet wären, geschehen, daß plötzlich blitzartig an einer unvorhergesehenen und auch später nicht mehr auffindbaren Stelle eine Erledigung hervorkommt, welche die Angelegenheit, wenn auch meistens sehr richtig, so doch immerhin willkürlich abschließt. Es ist, als hätte der behördliche Apparat die Spannung, die jahrelange Aufreizung durch die gleiche, vielleicht an sich geringfügige Angelegenheit nicht mehr ertragen und aus sich selbst heraus, ohne Mithilfe der Beamten, die Entscheidung getroffen.

Als ich am letzten Donnerstag eine vergessene Regenjacke in die Nordstadt fuhr: Die Menschen im warmen Regen wurden plötzlich zu Gestalten ihrer eigenen Poesie, auf Fahrrädern, oder zu Fuß, im weißen T-Shirt oder in der Regenjacke, mit Regenschirm oder auch ohne, manche mit ganz nassem Haar. Vielleicht wie in einem Film, in dem es auch um Mairegen ginge.

Der Sturm ist schon in der Luft

den ganzen Tag über. Durch den Regen mit dem Fahrrad, zunächst zum großen Supermarkt an der großen Straße, dann auf den Mittwochs-Markt. Verschiedene Gemüse, Eier, Fisch, Kartoffeln (Belana und Süßkartoffeln). Wie anders die Leute hier miteinander sprechen. „Was hat sie jetzt da liegen“ sagt der Händler zu der Kundin und dann zählt sie es ihm auf, sich selbst noch einmal in Erinnerung rufend, was sie jetzt kaufen möchte, „Petersilie hat sie noch da“ , ergänzt er die Aufzählung, die kaufe ich dann auch, glatte. Der noch sanfte, kleine Regen tropft derweil von den Dächern der Stände. Ich möchte kein Foto machen.

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Als ich gestern diesen Artikel las, musste ich beim im Zitat zitierten „salle des pas perdus“ gleich an die Bahnhofshalle im Groninger Bahnhof denken, daran, wie die automatischen Holztüren beim Aufschwingen klingen, wie selten es ist, das es noch Wartehallen gibt. Davon (neben weiteren Fieldrecordings aus dieser Stadt) gibt es eine Aufnahme.

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Neulich, in Oldenburg (Oldb.), saß ich auch in einem Wartesaal, den es in diesem schönen, aus einer anderen Zeit übrig gebliebenen Bahnhof, noch gibt. Charakteristischer Klang in diesem Raum ist das Weiterrücken der Uhrzeiger der großen Uhr über dem Eingang. Davon keine Aufnahme.

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Auf dem Rückweg vom Markt war der Regen dann ein wenig stärker. Später, weil ich keinen Kümmel mehr in der Küche hatte, musste ich noch schnell zu einem weiteren Supermarkt. Hier bereits stärkerer Wind, den ich auf dem Rückweg merke. Der Sturm ist schon in der Luft und wird morgen landen.

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Immer wieder irrlichternde Gedanken im Kopf, wie ein freieres Leben, welches sich ja gerade zeitlich begrenzt zwar ereignet, vielleicht doch möglich sein könnte. Dann sitzt man jedoch am Morgen in der Küche und hört in der Presseschau, wie die Journallie die Agenda-Kosmetik des Schulzen kommentiert und bereits diese lachhaften Wiedergutmachungsversuche, ganz im Sinne der neoliberalen Pest, wegzuargumentieren versucht. Da ist wieder die ewige 40-Stunden-Woche, die wir alle in Zukunft damit verbringen werden, die Robotergetriebe schön zu ölen. Kurze Verzweiflung über all die Dummheit, deren einziger Sinn es ist, das Leben der vielen schwerer zu machen. Die Deutsche Bank werden sie auch retten, nach der Bundestagswahl, weil Systemrelevant etc. pp., denn da gelten die Marktgesetze dann bekanntlich plötzlich nicht mehr.

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Was solls. Den Tag dann hauptsächlich damit verbracht, eine schöne Suppe mit Rindfleisch zu kochen. Ich hatte noch eine eingefrorene Beinscheibe im Kühlschrank. Dabei zurerst die Sendung Brüssel Zentral, dann La France en Duo und dann sogar Urban Landmusik gehört, weil heute einer der Tage war, an dem mir Country-Musik gefällt. Die Wäsche hängt auch nicht mehr auf dem Balkon, der Sturm kann dann meinetwegen kommen.

Holzschutzfarbe

Sogar liegt eine Katze auf dem Verbundpflaster vor der Garage
der Carport riecht nach Holzschutzfarbe und auch die Grillen
neben dem Splitweg sie singen das Abschiedslied  (als wenn
es morgen niemals geben würde und immerzu) sogar auf
dem  Fahrrad auf dem Weg nachhause ziehen alle Sommer
vorrüber

Es müssen Gräser stehen am Rande der Straßenbahschienen
viel mehr leuchten und leise summen es könnte doch könnte
doch eine Essenz von Regenwasser

destilliert werden, mit den Gießkannen, es müssten Gräser stehen.
Am Feuerlöschteich, sogar am Zaun und das trockene, gemähte,
neben dem leeren Messeparkplatz riecht, leise, zum Feierabend,

müsste dann das Katzenauge verloren gehen, am Wegesrand,

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dass die lungenflügel flattern, im sommerwind,

& weil weiterhin überall geschrieben wird, aufgeschrieben was passiert, während die Zeit um uns herum verstreicht, leere ich einmal die Texte hier aus und lasse sie liegen wie salziges Treibholz am Strand, das vielleicht noch jemand braucht um sich ein eigenes Feuer anzuzünden, unter den bedeckten Himmeln im August, unter den bedeckten Himmeln der freien Welt.

*

der mann gestern abend erzählt er habe einen guten schutzengel als er ein wenig stolpert in der u-bahn in den außenbereich meines sichtfeldes hält er eine ţüte weißwein. erzählt er fährt jetzt nachhause da können wir noch schön fernsehen (ein älteres ehepaar soll zuhören und tut es)  erzählt vor dem schlafengehen denkt er an seine sünden erzählt was er alles gemacht hat im leben erzählt totgeschlagen hab ich noch keinen habe ich auch nicht vor erzählt nachbarn ärgern kleines schnäppschen goodbye mister.

* hey sister soul sister *

Reklame: Finden Sie die Stärken ihres Kindes heraus und das passende Berufsprofil.

Schlagzeile: Touristen im Selfie-Wahn lassen Babydelfin sterben.

Kollege (am Telefon): Das Stück Kuchen wird größer je größer der Betrieb wird …

*

30.12.’15: Der „Arbeitslose Musiker“ (Selbstbeschreibung), der immer vor dem Penny in der Nordstadt stand und nach Wechselgeld fragte, mit dem ich irgendwann später zufällig am Tresen in der Schaufelder nach einem Konzert zwei Bier trank, singt am Lister Platz, dort am Eingang zur U-Bahn, wo sie immer sitzen, „Junge komm bald wieder“. Natürlich kann er mich nicht erkennen und das ist auch gut so. Es gibt rare Momente, in denen die Unterschiede egal sind.

*

 In der Kneipe an der Bödeker, in die wir manchmal gehen, erzählte ein Mann an der Bar, das George Lucas einmal hätte einen Film drehen sollen mit improvisierter Musik, Miles Davis, nicht Sting. Er mochte Sting nicht.

* Eine Reihe von Fotos *

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*

licht gespenstert
vogelsand
kupferdraht
duftreis
am ende des tages

*

 

dieser text aber will alles sich die ewigkeit einverleiben. tage sind durchsetzt mit ausgedehnten déja-vus. die nächte auf verschlungenen traumpfaden. der vorstand bei der heilpraktikerin in klausur-tagung. wir haben uns gegenseitig unsere notizbücher gezeigt. an dem tag an dem ich zum letzten mal dort arbeite, wenn ich dann allen die hand gegeben und mein „man sieht sich immer zwei mal im leben“ aufgesagt habe, dann werde ich rennen, so schnell wie ich nur kann, raus aus der tür und fort von dem ort, so schnell ich nur kann.

* dass das unbeugsame herz schlägt *

das unausgeschlafene zittern das vibrieren überall. am abend ein loch in der scheibe [der bank, die 3 monate später, nach einem überfall, schließen wird. die gegend wird nicht besser] — fahrradfahrt in der nacht, am  wohnheim vorbei, auf dem rückweg, an der hannomacke vorbei, dass das unbeugsame herz schlägt, immer noch und immer noch und immer noch, dass diese orte da sind, immer noch, jetzt von fremden besetzt, dass die lungenflügel flattern, im sommerwind,

Die Zeugen Jehovas haben ein Faible für bunte Krawatten

Jedenfalls die Männer. Schon den kleinen Jungs binden sie knallblaue Schlipse um und schicken sie dann raus zum Spielen auf der Expo Plaza, in der schwülen Hitze, die wir heute hier hatten. Die Frauen tragen gerne Röcke. Einmal im Jahr findet hier ein großes Treffen der Auserwählten statt. Schon die ganze Woche über stand eine Abordnung, ganz unschuldig tuend, in der Nähe der Flüchtlingsunterkunft, um Werbung für die wohltätigen Sprachkurse zu machen. Denn Jesus war ein Syrer, sowas in der Art, vermutlich. Für drei Tage wird dann die Eishockey-Mehrzweckhalle ganz zum Königreichssaal. Der Regenmacher-Workshop hatte zwar zwischenzeitich einen kurzen Erfolg, konnte aber erst am Abend, als die Veranstaltung zuende war, die ganze Pracht der Bemühungen einheimsen. Nach der Arbeit war ich noch kurz in der Bibliothek, schräg gegenüber. Ich hätte gedacht, dass meine Karte noch nicht seit fünf Jahren abgelaufen ist. Aber sie wurde verlängert und ich kann auch damit Bücher leihen, ebd., a.a.O. Werde einmal die Systemtheorie auswendig lernen. Unter Dachvorsprügen und der Fußgängerbrücke dem Regen ausweichend zur Station, auch hier viele Gutgläubige auf dem Weg in die Herbergen. Musik und Radiobuch in der Bahn. Abendbrot, dann noch kurz in den Supermarkt, dann rasiert und geduscht, jetzt Wochenende.

Renn mit dem Regenschirm

Renn mit dem Regenschirm aufgespannt die Straße
das wipfeln Dir die Palmen aus der Ferne herüber
die Tram erklimmt mit rotierenden Spulen den
Berg dennoch im Sommerwind und Du und das Meer
und die zur Tarnung als Krähen ins Land gehenden
Advokaten, der stürmische Abend, das Tor zur
neuen Welt ist weit offen.

Dies ist eine Fotografie des ganzen Himmels für Dich.