Eine Vereinbarung mit sich selbst

Gestern Nachmittag „Manchester by the Sea“. Eine große, traurige Geschichte ohne Tamtam erzählt – lediglich die Filmmusik war mir an ein, zwei Stellen ein wenig zu vorrausschaubar. Schön, wie gezeigt wird, das die kleinen Dinge trotz der Tragödie schiefgehen. Nach dem Kino ins Café T.

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Tour zum Emmichplatz mit dem Rad heute am Vormittag. Hellgrüne Eilenriede.

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Nach langer Zeit dann wieder mal Treffen mit A. am Hauptbahnhof. Ich bin ein wenig zu früh dran und schaue auf’s Handy, ob es etwas Neues gibt. Als ich ein Rezept für Waffeln, welches die Mutter in das WhatsApp schrieb, in eine Mail kopieren möchte um es zuhause einfacher ablegen zu können, verschicke ich aus Versehen eine Tonaufnahme vom Bahnhof.

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Als wir in das Franchise-Café gehen, kommt uns im Eingang ein Mensch entgegen, der einen großen Schritt über den Fußabtreter macht. Er hat eine Vereinbarung mit sich selbst, keine Fußabtreter zu betreten, oder nichts mit Streifen-Struktur, oder nichts mit Borsten. Jedenfalls war es wichtig, den Abtreter nicht zu betreten. Verweigerung der Zweckmäßigkeit.

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Eine Stunde in der Sonne.

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Ein Streetmarketing-Team baut einen Stand auf. Auf einem im Tarnlook angemalten Laster steht nextlevel.jobs und der Slogan „What’s your next challenge?“ o.ä.. Eine Recherche ergibt, dass Lidl Digital mit der billigen Bootcamp-Metapher offenbar Jobbewerber rekrutieren möchte. Ich fühle mich extrem nicht-angesprochen, steige auf’s Rad und fahre fort.

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Am späteren Nachmittag geht die britische Polizei von einem Terrorakt aus.

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Am Abend schickt der Vater ein Foto von dem frisch eingepflanzten Zierapfel im Vorgarten rum.

Es gibt Nord, Mitte und Süd

Als ich am Linedener Marktplatz aus dem Bus stieg, regnete es bereits. Ich hatte aber einen Müllsack über das Hemd auf dem Bügel gestülpt und war so, mit Hemd auf dem Bügel im Müllsack, mit der Bahn hierhin gefahren. Dann stand ich, weil noch etwas Zeit war, vor einer Bäckerei unter einer Markise, eingehüllt vom Brötchenduft. Da ist mir eingefallen, dass mich dieser Geruch an die Kindheitsurlaube erinnert, in denen ich am Morgen den weiten Weg von der Ferienwohnung in Norddorf bis zum Café Schult lief, um Brötchen für das Frühstück zu kaufen. Es dürften wohl ca. 150 Meter gewesen sein und der Weg ging durch eine kleine Senke, wobei zur linken Seite eine hohe Mauer aus Natursteinen stand, in deren Fugen das Gras wuchs.

Dann noch kurz N. getroffen. Cappucino im Les Ersatz. N. liest aus einem Artikel eines gemeinsamen Bekannten in einem Stadtmagazin vor. Wir sprechen über die stadtteilinternen Grenzen (es gibt Nord, Mitte und Süd) und wie das alles ist mit den neuen und den alten Einwohnern, den Mietpreisen, dem Fluss usw.

(Nokia 6230i)

Zu Fuß zur Bahnhaltestelle. Linie 10 zum Bahnhof, N. steigt an der Glocksee aus und nimmt den Bus. Die Bahn ist wieder recht voll. Das Buch ist hoffnungslos unter dem Einkauf, Kleiderbügel usw. am Boden des Rucksacks vergraben. Also schreibe ich drei Nachrichten auf dem Handy, während wir durch die Goethestraße ruckeln.

Die Stadt kommt ganz zu sich

Schönes Nieselregenwetter heute, mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Die Stadt kommt ganz zu sich bei dieer Witterung, mit ihrer ganzen wunderbaren Ungemachtheit. In der letzten Zeit hat sich die Sicht auf all das noch einmal geändert. Häuser und Straßen erscheinen oft größer, fremder und abweisender, aber der Blick auf diese altbekannten Gebäude und Wege ist ein interessierter. Dazu heute ein Erlebnis von etwas Unbekanntem gehabt, in einer Straße gewesen, in der ich sonst nie bin, obwohl sie auf einen Platz mündet, den ich des öfteren überquere. Das war in Linden. Heute Abend geht es noch einmal in diese Richtung, aber nicht ganz so weit, dafür mehr nach rechts, an der Leine entlang.

Verschollene Freunde und amerikanische Präsidenten

Eine längere Strecke mit einer der neuen Bahnen gefahren, am gestrigen Tag. Lektüre: „Das Schloß“, Kafka, traumhaftes Erzählen, unklare Verhältnisse, aus der Situation heraus entsteht die Handlung, Bier und Wirtshäuser und Schnee. Auch hier hat der Wetterbericht für heute nacht Schneefall angekündigt.

Pfarrstraße Stammestraße, wo ich lange Zeit nicht gewesen bin und auch garnicht mehr weiß, warum ich das letzte Mal dort war. Wenige Häuserreihen vor dem Deich zur Leinemasch. An einem Haus ein Schild, das den Wasserstand 1946 anzeigt, knapp auf Kopfhöhe. Ein paar verregnete Fotos gemacht, die hier nicht gezeigt werden. Eine schöne, bescheidene Gegend die sich nichts weiter einbildet. Kurz bevor die Stammestraße in den alten Dorfkern mündet, muss ich dann abbiegen zu K. und L.

Wolkenhimmel im Küchenfenster, immer wieder Regen. Katzen und Spinnen, die Spinnen haben keinen Hunger, die Katzen haben immer Hunger. Die Katzen essen auch das Spinnenfutter, aber die Spinnen essen kein Katzenfutter. Reden über all die Umstände, die privaten und die weltpolitischen. Verschollene Freunde und amerikanische Präsidenten. Haken in der Decke und wie ich jetzt endlich das alles einmal zu erledigen beginnen kann. Was als nächstes kommt, Käsebrötchen Kartoffeln mit Spinat und Spiegelei. K. „Rauten001“ nachträglich zum Geburtstag geschenkt.

Später hören wir Radio Niedersachsen im Küchenradio, noch später dann Albert Ayler, wie er so etwas wie „Oh Tannenbaum“ spielt auf Free Jazz. K. erzählt, er wurde 34-jährig tot aus dem East River gefischt, die genauen Umstände wären nicht weiter ermittelt worden, er war ja nur ein schwarzer, drogensüchtiger Jazzmusiker. Wunderschöne Musik. Dann noch The Fugs: Nothing. Jetzt ist es auch schon dunkel.

Brühlstr Clevertor

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An diesem Morgen zog ein kloakiger Geruch aus dem Fluss empor, gerade als ich an dem postmodernistischen Tempelportal vorbeiging, welches vor dem Arbeitsamt steht. Warum weiß niemand. Dies hier ist ein paar Schritte weiter in Richtung der Goethestraße.

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Dies ist die Goethestraße in Richtung zum Steintor. Der verdrehte Turm ist von Gehry entworfen. Wer sich die anderen Häuser ausgedacht hat weiß ich nicht. Die Straßenlaternen finde ich sehr schön.

Gestern zaghafte Schritte

im mitt- und nachmittäglichen Müßiggang. Limmerstraße, Steet Kitchen, die Linie 10 zum Steintor. „Love & Friendship“ im Hochhaus-Kino, dass wohl umgebaut wird. Jedenfalls waren wir in einem improvisierten Kinosaal plaziert, im Erdgeschoss. Dicht in eine Reihe gestellte kubische Corbusier-Sessel, die erste Reihe dann konsequenterweise die LC4 Chaise Lonque. Wir saßen weiter hinten auf unbequmen Stühlen. Ein schöner Raum mit interessanter Beleuchtung, viele Lampen an den Wänden und eine indirekte Lichtquelle hinter Glas, die wie Tageslicht wirkt. Kein Foto. Der Film (nach einem Roman von Jane Austen) nimmt gemächlich Fahrt auf und ist dann vorbei, als er richtig lustig wird. Schöne Kostüme und gescheite Dialoge. Kann aber gut angeschaut werden, an einem Montagnachmittag im Januar.