Ganz umhüllt sind Deine Schritte

So haben die Krähen Dir das Lied gesungen an diesem frühen Morgen in der letzten Januarwoche des Jahres 2018. Mit Schritten, die bald nicht mehr Deine sein würden, liefst Du in das Dämmerlicht hinein, den Schatten auf der Seele nachspürend, weil dieser Morgen noch unsicher ist, nicht ganz vorhanden und passiert, als wenn es kein Morgen gäbe.

Als würdest Du durch Schnee laufen klingen Deine Schritte, bis Du stehen bleibst und der frühen Amsel die Straße und den Morgen lässt. Hier kommen die Krähen vom nahen Stadtwald herüber, überfliegen die Villen aus dunkelrotem Backstein (wie geronnenes Blut), in ganzen Schwärmen sitzen sie in den Wipfeln und singen das Lied vom Winter und den Menschen. Ganz umhüllt sind Deine Schritte und ist die ganze Dämmerung vom Krähengesang und wenn es dann so kommt, wie es kommen muss, wieviel essen sie von uns und wieviel andersrum?

[Birken / etc.]

Dieser Tag jedenfalls war so grau, wie es nur im Januar passieren kann und der Nebel hängte sich zwischen alle Nähte, die wir am Leibe trugen. Morgen wird dann das Lager durchgezählt.

Abends aber, wenn überhaupt um 4 Uhr von Abend gesprochen werden kann, der Busfahrer sah auch etwas kritisch aus, als ich ihm, meine wohl durch das Sichtfenster sowieso nicht lesbare Fahrkarte vorzeigend, einen Guten Abend wünschte um 4 am Nachmittag. Seisdrum: In der Dämmerung am Morgen in der Einflugschneise angekommen und im Hellen abends wieder weggefahren und nur eine Stunde früher gegangen.

Der Traum geht mir nicht aus dem Kopf, ich lasse einige unwichtige und wiederkehrendem, dafür aber um so privatere, Details weg. Ich war in London und wir besichtigten einen Mauerpark in dem Sinne, dass hier die verschiedensten Arten, eine Mauer zu bauen, vorgestellt wurden. Diese Sehenswürdigkeit war auch in einem Stadtplan eingezeichnet, den wir dabei hatten. Die Mauern umschlossen tatsächlich nichts, sie standen in Mitten des Parkgrüns alleine um ihrer Selbst willen, und der Park um die Steine herum war auch sehr schön. Alles erinnerte ein wenig an eine Ruinenlandschaft, vereinzelt gab es Gebäude. Efeu wurde großzügig eongesetzt und andere Rankgewächse etc., goldene Kuppeln auf den kleinen Türmen, die das verschwenderische Licht einer Sonne reflektierten, die kurz vor ihrem Untergang stand. Im Traum erinnerte ich mich, oder ich reime es mir jetzt so zusammen, an Die unsichtbaren Städte, die ich in Gedanken, einem Wink des Schicksals folgend, während unseres letzten Aufenthalts in Barcelona erkundete und welche sich unerwarteterweise wundervoll in die eigene Projektion und Rekonstruktion einfügten, als sei es immer schon so gedacht gewesen (dazu die Bilder von Giorgio Chirico, die wir in einem Museum ansahen, an einem Regentag). Ich wollte natürlich Fotos machen, aber sowohl der Fotoapparat im Telefon wie auch die Kleinbildfilmkamera funktionierten nicht, was vermutlich daran liegen mag, dass man in Träumen keine Photografien anfertigen kann.

 

[Einmal für drei Monate]

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In dieser Stadt liegt noch eine ganz andere, große Stadt, von der ich wirklich nur etwas geahnt habe und die ich nur durchquerte, bis jetzt, bis ich jetzt, beim erneuten und sozusagen fast täglichen Wiederholen der Durchquerung bemerke, das diese Quartiere eine ungeahnte Ausdehnung besitzen und das die Stadt in Gänze viel größer ist, als immer angenommen. Ich glaube, dass sich noch viel mehr überraschende Urbanitäten in allen Himmelsrichtungen finden könnten. Heute auf dem Weg nachhause die Idee gehabt, dass es wirklich ganz schön wäre, einmal für drei Monate in einem anderen Stadteil wohnen zu können, und dann wieder für drei oder vier Monate in noch einer ganz neuen Gegend. Das wird jetzt so eine Idee sein, die mich jahrelang verfolgen wird, das weiß ich jetzt schon. So legt man sich eine fixe Idee nach der nächsten in das Kästchen hinein, bis endgültig angebaut werden muss. Ende der Durchsage.

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Die Fotos passen nun noch nicht wirklich, da ich mich noch nicht getraut habe, einfach die Kamera oder das Telefon im vorrübergehen zu gebrauchen, beiläufig und verwackelt, um das Zittern zu kaschieren, im Dämmerlicht.

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Vielleicht das ich die Fotos dann einfach gegen andere austausche, es wird ja eh niemand bemerken.

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Denn was gegen alle Gegenden jenseitz der Bödeker bzw. Ferdinand-Wallbrecht spricht ist doch: Sie sind einfach zu weit entfernt von der Calenberger Neustadt, der Nordstadt und Linden. Aber für jeweils drei Monate, das könnte gehen. Man müsste natürlich die Wohnung behalten können.

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Und einmal hier drin kommst Du nie wieder raus, es sei denn Du bist Snake Plisken

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Was einmal Holz gewesen

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Also eigentlich hätte ich heute über die verschiedenen Arten von Schwindel schreiben können und wollen und vielleicht sogar sollen, aber daraus wird einmal nichts. Morgen morgen nur nicht Heute usw., also. Dann muss ich diese kleinen Kritzeleien herhalten, die ich auf den Rücken der Korrekturtexte austrage, auf der Arbeit, das ist so eine kleine Freiheit die keinem weh tut, außer vielleicht mir. Anstatt sie direkt in den weißen Plastikmülleimer, der für das Papier ist, zu tun, lege ich sie in eine der Taschen meiner Tasche und dann auch noch dazu Zuhause auf den Scanner, als wenn es noch nicht schlimm genug gewesen wäre. Aber so ist das halt, mit dem dicksten Biber der Stadt, alles was einmal Holz gewesen ist, kann noch genutzt werden zum Dammbau, zur Kanalisierung, zur Fütterung der Papiertiger.

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Zerfaserung der Augenblicke, weitere Objekte für die Sammlung seidener Fäden. Bisweilen auch versiegelte Luft zu atmen, in den stillen Stunden, wenn der Morgen Dich bei der Hand nimmt und sagt wir müssen jetzt einmal an Morgen denken, aber nicht sich damit meint.

Das andauernde Ringen mit etwas großen und dunklem erfordert sehr viel Kraft und Ausdauer. Die Runden im Park helfen dabei, aber ob ich früh genug losgelaufen bin, um noch einen plausiblen Vorsprung erreichen zu können? Von Ziel oder Sieg ganz zu schweigen.

Gartenpavillon am Ende der langen Allee. Menschen im Sommer. Mit dem alten Handy ein paar Fotos gemacht, die dann aber aus Versehen gelöscht. Es ist nicht schlimm, ich kann neue machen. Das Geräusch metallener Rechen auf dem Kies der Parkanlage begleitet den guten Nachmittag.

Die Zumutungen der virtualisierten Stadtbilder

Wie aus Trümmern einer implodierten Realität wieder zurück ins Leben geholt, plustern sich die doch so bekannten Straßenzüge und Häuser und Bäume auf dem Bildschirm wieder auf. Es sind Zombie-Häuser, Zombie-Bäume und Zombie-Straßen, die Menschen haben alle ihr Gesicht verloren.

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Nur scheinbar ist auch die Zeit stehengeblieben für sie. tatsächlich liegen ja zwischen jedem Sprungpunkt, der mit Maus oder Tastatur angewählt werden kann, zumindest ein paar Sekunden. Der Stillstand selber ist also eine Konstruktion und eine Täuschung.

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Der Himmel liegt als klaffender Spalt auf der Straße, bevor sich die Asphaltdecke über ihm schließt. Die Bäume, schlecht gerenderten Felsformationen gleich; auch könnten sie bedeckt sein mit Plastikplane oder es sind fremde Wesen, die nach dir greifen wollen und dich verschlingen, am Himmel ein U.F.O.

Der Bär

Der Traum mit dem Bären, da saß ich glaube ich im Bus und an der Straßenkreuzung Kopernikus / Weidendamm saß oder stand ein brauner Bär auf dem Bürgersteig. Ich fragte mich, ob das denn wohl bei der Stadt bekannt wäre, dass hier jetzt Bären frei herumlaufen, da sah ich erst, dass der Bär angeleint war und es jemanden gab, der ihn hielt. Da tat der Bär mir leid.

In dem anderen Traum war es jedenfalls so, dass ich mit N. in Paris studierte. Die Universität in Paris ist bekanntermaßen ein sehr langes Gebäude, welches unterirdisch über mehrere hintereinanderliegende Métrostationen erreicht werden kann. Wenn ein Seminar sehr weit von dem anderen entfernt ist, nimmt man in der Pause die Métro, die also parallel unterhalb des Gebäudes verläuft. Ich war jetzt aber schon an der falschen Ecke und musste dringend zu der Veranstaltung, da entschloss ich mich, weil ich der Meinung war, es würde dann schneller gehen, zu Fuß zu laufen. N. hatte mit dem weiteren Verlauf nichts weiter zu tun, es war nur zu Anfang wohl so, dass klar war, dass sie auch hier studierte. Der Weg führte zunächst an einer recht viel befahrenen, wohl dreispurigen Straße entlang. Hier stand auch ein Haus mit einer großen Wandbemalung vom Erdgeschoss bis hinauf zum Giebel, ich meine, das Bild zeigte ein Portrait in einer an Comics erinnernden Ausführung. Am unteren Ende der Wand befand sich allerdings eine Klappe, oder es standen schwarze Müllcontainer davor, die großen mit den Rollen, und die Klappe war an diesen Containern. Darauf waren jedenfalls Gedichte geschrieben, die auf meinen Twitternamen verwiesen auf irgendeine Art, das Pseudonym war entweder in der Überschrift enthalten oder in einer Widmung oder ähnlichem.

Natürlich waren diese Gedichte Text und ich konnte sie auch lesen, aber ebenso natürlich, das ist leider immer so, konnte ich mich nach dem Erwachen nicht mehr an den Inhalt erinnern, nur an das Detail mit dem Twitter-Namen.

Ich lief dann ein Stück weiter und verlies die große Straße, indem ich nach rechts in eine viel kleinere Nebenstraße, die sich schräg von der Hauptstraße entfernte, einbog. Mir war klar, dass ich dadurch das eigentliche Ziel, nämlich rechtzeitig (oder überhaupt) zu der Vorlesung zu gelangen, aus den Augen verlor, aber ich musste jetzt diesen Weg gehen, das war genauso klar. Es war ein wenig düster hier, die Häuser waren dunkelbraun gestrichen und aus gelben Butzenfenstern drang dunkles, gelbes Licht. Busch und Baum überragten Mauern und hingen in die Straße herein. Ich ging dann in einen Friseursalon, um mir die Haare schneiden zu lassen, als ich aber auf dem Stuhl saß, überkamen mich Zweifel, ob meine Französischkenntnisse ausreichen würden, um hier zu einem für mich guten Ergebnis zu kommen, so verließ ich den Laden wieder. Wir gingen weiter durch Montmartre, denn natürlich war es dieser Stadtteil und wie zur Bestätigung ergab sich eine kleine Treppe in einer Seitengasse der kopfsteingepflasterten Straße. B. war inzwischen auch mit dabei, der eigentliche Zweck des Gehens vollkommen vergessen. Wir wunderten uns, dass überhaupt keine Touristen unterwegs waren, ich war aber auch erstaunt, denn im großen und ganzen erinnerte mich das alles eher an eine Kleinstadt im Harz. Am Ende der Straße sah ich die Flügel einer Windmühle, dass musste dann wohl das ‘Le Moulin Rouge’ sein, dort jedenfalls würde es ja von Touristen nur so wimmeln, dachte ich.

[Aufgew.]

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Übernächtigt heute in die Zone 2 gefahren. Am Stadtrand erschien mir alles provisorisch. Ich erinnere mich, dass ich mich fragte, warum an dieser Stelle die Buslinie 124 endet. Gegenüber hat jemand einen Düsenjäger an einer im Boden steckenden Stange befestigt. Lauert hier endlich eine weitere Depandance des Instituts für Angewandten Surrealismus? Ganz in der Nähe auch wo die Panzerknacker wohnen. Dann zwar mit Bus und Bahn zurück gefahren.

Am Nachmittag dann von 13 Uhr bis wohl 13:45 Uhr, also ungefähr, geschlafen.

An einem Vormittag liefen wir die Booterstown Av. hinunter und ich fotografierte mit dem Handy die Telefonkabel, die sich über die Straße spannen.

(Dublin II) (I)

Ich glaube, im Notizbuch habe ich nicht eingetragen, dass uns auf dem Weg die Kirchgänger in ihrer Sonntagstracht entgegenkamen, die vermutl. alle vorhatten, am Abend in den Pub zu gehen und daher die Hl. Messe bereits am Samstag absolviert hatten, damit alles seine Richtigkeit habe.