Am Ende ist man immer nicht ich.

Vor Weihnachten auf der Insel gewesen. Dazu lässt sich hier bisher kein Eintrag finden und wird es auch nicht, so ist zu denken. Jedes Jahr, am Ende, an den Januskopf und den Blick neu ausrichten, nach Möglichkeiten und Silberstreifen suchend. [Aus dem Notizbuch]: Versuche schon seit Tagen einmal etwas in das Netz zu schreiben, es gelingt nicht so recht [wie es das ganze letzte Jahr über nicht so recht gelingen wollte]. [Morgen aber, aber morgen ganz bestimmt. […]
Habe mich nun doch für die Bücher entschieden, notgedrungen und bis auf einige Ausnahmen. Und trotzdem der Gedanke, fester Gedanke, dass es allen gut gehen sollte nach Möglichkeit und sie machen können sollen wonach ihnen der Sinn. Zwar ist es ein unsicher Frieden und beständig gibt es Grenzverletzungen, einseitig. Also [lieber] die Literaturen, [Zufluchtsorte für das lyrische Ich], ein aussterbender [Wesen], das sich jetzt auch eine Zahnlücke wachsen lässt [Und keinen Bart]. Gerne auch auf Gespensterjagd*

*sind gemacht aus Vergangenheit. Das Lachen der Geister. Sie ernähren sich: von getrocknetem Tapetenkleistern (das ist warum: die Tapeten abblättern, in den Geisthäusern). Darin enthalten sind die Erinnerungen jeder neuen Schicht, die an den Wänden klebte der entleerten Wohnungen, weshalb es auch in alten Gemäuern mehr Geistwesen gibt – sie hinterlassen Spuren, überall

manchmal erwische ich eines, dann unterhalte ich mich mit ihm, eine blaue Stunde lang und schreibe danach alles auf wovon es mir erzählt hat, woran ich mich erinnern kann.

Das beste Ereignis in diesem Jahr: Etwas zuende gebracht zu haben, einen großen Stein den ganzen Berg hinaufgerollt. Das zweitbeste: Das es jetzt zuende ist. Das Jahr.

Ein Versuch zusammen zu halten

Hier beginnend.

Gehe ich ins das neue Notizbuch hinein, begonnen wohl am [-10.9-]. d.J. auf der Zugfahrt nach Bremen (werde ich demnächst öfter in diese Richtung reisen??), zögerligh.

Notizen zu einem Ausflug nach Cuxhaven am Sommerende, ein Kuriositätenhaufen, diese Stadt, die Pinguine im Stadtpark und die Blasmusik am Betoncampingplatz, die gestreiften Häusschen mit den roten Mützen auf und das grüne grüne grüne Gras vom Regen ganz nass noch und tropfend. Mit dem Zug, dies die letzte Fahrt mit dem Ticket, dass es immerhin immer gab, als winzigkleiner Trost für all das andere, das es auch gab und nun nicht mehr (das ist vorbeigegangen in diesem Jahr: Alles hört einmal auf). Ich mine dazu gäbe es bereits einen Text den ich in einem Ordner abglegte, wir sehen nach:

Die gelückte Flucht aus der Stadt, mit dem späteren Zug, in einer Tour direkt ans Meer und mit umsteigen in Bremen (Hier kam C. dazu). Die Lackmeyer in ihren rosafarbenen Polohemden steigen in Neustadt bereits wieder aus, hier geben sie wohl ein Seminar in Social Media Marketing (vielmehr: Sie nehmen daran teil, um dann Monatelang unschuldige Menschen mit ihrem Solariumhackfressenprofilfoto zu erschrecken, von dem Sie in einer Stunde lernen werden, dass dies Avatar heisst und sie kriegen es nicht zusammen mit dieser Serie, die die Kinder des Nachbarn immer ansehen, ach hätten sie doch nur selbst einmal.) Ein Mann erklärt seiner Frau [en italienska] die Sache mit den Abkürzungen in der SMS anhand der Zeichenfolge: U R Quattro U und setzt hinterdran “You are for you” (For whatever that means, aber sie versteht’s). Menschen in einem Zug: Mir kam kurz (die tiefgekühlte Leere des ICE in den Sinn, der mich neulich nach Göttingen transitierte): Welch ein Unterschied zur wochenendfrohen Plapperigkeit in den engen Sitzen, Kinder in allen Sprachen, Menschen Telefonieren und nerven die Mitreisenden;

In Bremen Ungemütlichkeit Polizei

[Am Abend wurde es dann noch ungemütlicher, als Werder einmal mehr verloren hatte und die Menschen ebenfalls — mit dem Taxi (C. hatte es nicht ganz verstanden mit der Zeit und dem Geld und uns an diesem Wochenende, schien mir da wieder) in die Gartenlaube (=nicht die Zeitschrift) // am nächsten Tag in die neue Überseestadt — wechselseitiges Unverständnis anhand Architekturen — gestrandet beim Publikumstag im Großmarkt // Schön hier: Dank Geschäftsbeziehungen seitens C. besichtigung einiger Lagerräume // durch die langweiligste Landschaft der Welt zur Straßenbahn, ohne Hintergedanken noch einen Kaffee an der Weser, zum Bahnhof]

[ausflug2011-09-10-11]

-Es ist durchaus möglich, dass diese Form von an eine relativ unbestimmte Allgemeinheit gerichtetem Kommunikat tatsächlich doch am besten als eine Art Online-Tagebuch funktioniert. Vielleicht auch gerade Aufgrund der unkenden Blogger-Journaille, die für Literaturen abseits des Schwarms sowieso keinen Sinn hat (=und hier also fehl am Platze wäre). Ich mache also weiter mit der Unordnung und dem ausschnittweisen Abtippen der vollgeschriebenen Chinakladden, die Zielgruppe fest im Blick (=es liest ja eh niemand).-