[Merkwürdig]

Was merkwürdig ist: Es gibt eine Fotografie von mir, die für eine Ausstellung angefertigt wurde. Diese Bilder zeigen Menschen beim Lesen. Ebenfalls abgelichtet wurde eine Dame, der in meiner Nachbarschaft eine Buchhandlung gehört. Die Bilder stehen zusammen auf der Seite der Fotografin. Der Buchhändlerin begegne ich nun schon das zweite mal innerhalb von zwei Wochen im Wald, auf dem Weg zu unserer Arbeit. Sie geht zu Fuß dorthin und kommt wohl aus der anderen Richtung, ich sitze auf meinem Fahrrad. Ich weiß nicht ob sie die Seite kennt, ich weiß auch nicht, ob sie in der Ausstellung gewesen ist. Ich erkenne Sie, sie mich nur vielleicht. Sie trägt ausschließlich Schwarz.

Würde ich ihr auf der Straße über den Weg laufen, was auch passiert, wäre das jeweils eine Zufälligkeit. Es ist der Wald, der diese Sache so bemerkenswert macht.

Station Marienstraße und Umgebung

Heute an der Marienstraße Ecke Berliner Allee. In der Bäckerei an der Ecke kaufe ich ein Franzbrötchen. Der Eingang der U-Bahn-Station gegenüber ist in den Krankenhauseingang hineingebaut, es sieht sehr großstädtisch aus. Direkt neben der Treppe ist ein Fahrstuhl-Eingang, der Patienten und Besucher ½ Stockwerk nach oben fährt. Die Wände des Aufgangs sind mit glattem, poliertem Granit verkleidet. Aus purer Neugierde gehe ich nach Unten in die Station, um zu sehen, ob man direkt von dort aus in den Fahrstuhl steigen, und von der U-Bahn also direkt ins Krankenhaus fahren könnte. Das hätte ich gut gefunden.

Stadtplan der Starthaltestelle Hannover Marienstraße

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S Stadtbahn U U-Bahn H Haltestelle TAXI Taxi Standplatz CarSharing

Hier verzeichnet: Die Straße, in der ich die ersten Jahre zusammen mit den Eltern lebte, eine Straße in der ich gearbeitet habe, eine Straße in der ich jetzt (jetzt gerade!) arbeite, eine Straße in der meine Freundin R. gewohnt hat, eine Straße in der meine Freundin R. jetzt wohnt, die Straße, in der mein Vater gearbeitet hat, die Straße, in der mein Vater davor gearbeitet hat, der Friedhof, auf dem der Hund Charlotte Kestner begraben ist.

Als ich (gestern) im Bus sitze

und zu diesem einen Termin fahre: Setzt sich ein Mann neben mich, auf dessen Jacke in großen Buchstaben das Wort “YIPPIE!” geschrieben steht. ### Auf dem Rückweg sehe ich einen mit einer Tarnhose und Bomberjacke bekleideten, der breitbeinig vor der Sexshop-Reklame steht und mit seinem Handy ein Foto macht. Den Rest des Tages wird er am Brunnen ein paar Meter weiter verbringen und mit seinen Freunden Bier trinken.

Da fuhr

ich dann am Gestern mit dem Fahrrad zur Arbeit und am Moltkeplatz: Ist ein Markt aufgebaut, (eine Obstverkäuferin beißt in einen Apfel hinein), neben der Leierkastenfrau sitz ein dicker, lieber Hund, zuvor die Blätter, von den Bäumen, im dunstigen Sonnenlicht, fallen, ein Kindergarten macht einen Ausflug und eine Nonne, die ist auf dem Weg ins Krankenhaus vom roten Kreuz.

Die Luft ist genau richtig kalt für den Überzieher, die Sonne blitzt hinter den Gardinen hervor. So war es.

Dann heute am Morgen: Das schwärzeste Schwarz sah ich, als ich die Espressokanne aufschraubte um den feuchten Kaffeesatz herauszuklopfen. Schwarz und schimmernd, zieht es Materie an.

An der großen Straße, das Hotel wechselt täglich seinen Namen, Hot Is oder Hotel I oder Ho Ib. Ich habe dort die Möbel hinein getragen, in jedes Zimmer: Einen Schrank und ein Bett und eine Wandverkleidung mit angebauten Nachttischen, erinner ich mich, manchmal, wenn ich nun daran vorbei fahre, wie ich auf dem Parkplatz stand und eine Zigarette geraucht habe. Manchmal denke ich, dort hinein zu gehen und mich an die Bar zu setzen, für einen Abend lang, zur Messe wohlmöglich auch noch, eine Geschichte zu erfinden.

Wenn ich eine halbe Stunde vor Schichtbeginn hier losfahre, wir produzieren dort tatsächlich in vier Schichten, die sich teilweise überschneiden, dann also habe ich noch genug Zeit, auf der Streusandkiste sitzend, ca. auf dem halben Weg von der U-Bahn dorthin, ein Gedicht zu improvisieren,

Im Moment schreibe ich auf allem was Papier ist, es ist furchtbar.

Noch sitze ich hier im Bureau im Keller

Jedenfalls ist es zur Straße hin ein Keller, nach hinten raus ebenerdig zum Hof, noch sitze ich also hier, im Bureau in der Berliner Villa, noch bin ich müde und noch warte ich, zugegeben, eigentlich nur das die Zeit tick tack. Gleich aber werde ich die Treppe nach oben gehen, die Stempelkarte abstempeln, auf mein Fahrrad steigen und dann den Engelbosteler Damm herunterfahren bis zum blauen Bahnhof um dann dahinter nach rechts abzubiegen und Freund K. zu besuchen. Das Fahrrad hat eine Acht im vorderen Laufrad und es müsste zum Fahrradmann gebracht werden, der es neu stimmen könnte damit es wieder schöner schwingt. Nächste Woche diese Woche dann vielleicht. Die Lichter sind gelöscht und das Schreibgerät wird nun hinuntergefahren, die müden Augen abgewandt vom glatten Schirm, hinaus ins Unquadratische!