Im Gestrüpp der Sozialmedien…

…rauscht es gewaltig und vieles zieht spurlos vorrüber. Ertappte mich dabei, vieles einfach so wegzuschreiben anstatt es auch einmal hier zu erwähnen – vielleicht weil hier eigentlich der Platz ist für selbstgekochtes und unkorrigiertes Zeug. Jedenfalls und als da wären: Neulich im schwedischen Radio gefunden: Art’s Birthday Party mit einem furiosen Auftritt von Marina Rosenfeld und dann noch Ikue Mori:

Lyssna: Monitor

An dieser Stelle gibt es eine Aufzeichnung einer Sendung, die einmal durch Europa verschiedene Schnippsel dieser Veranstaltung zusammenklebt. Viel mehr als ein recht beliebiges Potpourrie (Ja genau!) kommt dabei leider nicht raus, vielleicht hatte man im Deutschen Radio einmal wieder nur wenig Zeit für die merkwürdige Gereuschmusik, wollte aber allen irgendwie gerecht werden. Das Blog radiohoerer.blogger.de ist trotzdem ein gutes kann nur empfohlen werden.

Apro: Übermorgen spielt Charles Hayward (Wikipedia) in der Sturmglocke, nebst Barberos. So. Präsentiert wird das von Silly Art Fick.

Gestern erfolgreich unter dem Waschbecken mit einer Rohrzange hantiert.

Bin froh, ein substantielles Stück Text zu schreiben begonnen zu haben. Es ist zwar nur eine Rezension. Und noch nicht fertig.

Am Ende ist man immer nicht ich.

Vor Weihnachten auf der Insel gewesen. Dazu lässt sich hier bisher kein Eintrag finden und wird es auch nicht, so ist zu denken. Jedes Jahr, am Ende, an den Januskopf und den Blick neu ausrichten, nach Möglichkeiten und Silberstreifen suchend. [Aus dem Notizbuch]: Versuche schon seit Tagen einmal etwas in das Netz zu schreiben, es gelingt nicht so recht [wie es das ganze letzte Jahr über nicht so recht gelingen wollte]. [Morgen aber, aber morgen ganz bestimmt. [...]
Habe mich nun doch für die Bücher entschieden, notgedrungen und bis auf einige Ausnahmen. Und trotzdem der Gedanke, fester Gedanke, dass es allen gut gehen sollte nach Möglichkeit und sie machen können sollen wonach ihnen der Sinn. Zwar ist es ein unsicher Frieden und beständig gibt es Grenzverletzungen, einseitig. Also [lieber] die Literaturen, [Zufluchtsorte für das lyrische Ich], ein aussterbender [Wesen], das sich jetzt auch eine Zahnlücke wachsen lässt [Und keinen Bart]. Gerne auch auf Gespensterjagd*

*sind gemacht aus Vergangenheit. Das Lachen der Geister. Sie ernähren sich: von getrocknetem Tapetenkleistern (das ist warum: die Tapeten abblättern, in den Geisthäusern). Darin enthalten sind die Erinnerungen jeder neuen Schicht, die an den Wänden klebte der entleerten Wohnungen, weshalb es auch in alten Gemäuern mehr Geistwesen gibt – sie hinterlassen Spuren, überall

manchmal erwische ich eines, dann unterhalte ich mich mit ihm, eine blaue Stunde lang und schreibe danach alles auf wovon es mir erzählt hat, woran ich mich erinnern kann.

Das beste Ereignis in diesem Jahr: Etwas zuende gebracht zu haben, einen großen Stein den ganzen Berg hinaufgerollt. Das zweitbeste: Das es jetzt zuende ist. Das Jahr.

Ein Versuch zusammen zu halten

Hier beginnend.

Gehe ich ins das neue Notizbuch hinein, begonnen wohl am [-10.9-]. d.J. auf der Zugfahrt nach Bremen (werde ich demnächst öfter in diese Richtung reisen??), zögerligh.

Notizen zu einem Ausflug nach Cuxhaven am Sommerende, ein Kuriositätenhaufen, diese Stadt, die Pinguine im Stadtpark und die Blasmusik am Betoncampingplatz, die gestreiften Häusschen mit den roten Mützen auf und das grüne grüne grüne Gras vom Regen ganz nass noch und tropfend. Mit dem Zug, dies die letzte Fahrt mit dem Ticket, dass es immerhin immer gab, als winzigkleiner Trost für all das andere, das es auch gab und nun nicht mehr (das ist vorbeigegangen in diesem Jahr: Alles hört einmal auf). Ich mine dazu gäbe es bereits einen Text den ich in einem Ordner abglegte, wir sehen nach:

Die gelückte Flucht aus der Stadt, mit dem späteren Zug, in einer Tour direkt ans Meer und mit umsteigen in Bremen (Hier kam C. dazu). Die Lackmeyer in ihren rosafarbenen Polohemden steigen in Neustadt bereits wieder aus, hier geben sie wohl ein Seminar in Social Media Marketing (vielmehr: Sie nehmen daran teil, um dann Monatelang unschuldige Menschen mit ihrem Solariumhackfressenprofilfoto zu erschrecken, von dem Sie in einer Stunde lernen werden, dass dies Avatar heisst und sie kriegen es nicht zusammen mit dieser Serie, die die Kinder des Nachbarn immer ansehen, ach hätten sie doch nur selbst einmal.) Ein Mann erklärt seiner Frau [en italienska] die Sache mit den Abkürzungen in der SMS anhand der Zeichenfolge: U R Quattro U und setzt hinterdran “You are for you” (For whatever that means, aber sie versteht’s). Menschen in einem Zug: Mir kam kurz (die tiefgekühlte Leere des ICE in den Sinn, der mich neulich nach Göttingen transitierte): Welch ein Unterschied zur wochenendfrohen Plapperigkeit in den engen Sitzen, Kinder in allen Sprachen, Menschen Telefonieren und nerven die Mitreisenden;

In Bremen Ungemütlichkeit Polizei

[Am Abend wurde es dann noch ungemütlicher, als Werder einmal mehr verloren hatte und die Menschen ebenfalls -- mit dem Taxi (C. hatte es nicht ganz verstanden mit der Zeit und dem Geld und uns an diesem Wochenende, schien mir da wieder) in die Gartenlaube (=nicht die Zeitschrift) // am nächsten Tag in die neue Überseestadt -- wechselseitiges Unverständnis anhand Architekturen -- gestrandet beim Publikumstag im Großmarkt // Schön hier: Dank Geschäftsbeziehungen seitens C. besichtigung einiger Lagerräume // durch die langweiligste Landschaft der Welt zur Straßenbahn, ohne Hintergedanken noch einen Kaffee an der Weser, zum Bahnhof]

[ausflug2011-09-10-11]

-Es ist durchaus möglich, dass diese Form von an eine relativ unbestimmte Allgemeinheit gerichtetem Kommunikat tatsächlich doch am besten als eine Art Online-Tagebuch funktioniert. Vielleicht auch gerade Aufgrund der unkenden Blogger-Journaille, die für Literaturen abseits des Schwarms sowieso keinen Sinn hat (=und hier also fehl am Platze wäre). Ich mache also weiter mit der Unordnung und dem ausschnittweisen Abtippen der vollgeschriebenen Chinakladden, die Zielgruppe fest im Blick (=es liest ja eh niemand).-

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   Ach ach ach ach ach ich komm ja zu nix, nicht mal zum Jammern! Alles rauscht und der Wald stets bemüht still und schweiget. Falsche Doktoren werden als Vordenker gehandelt auf dem diplomatischen Parkett, an jeder Straßenecke kannst Du gepanschten Vodka kaufen der Marke Bärenkrone, allein das schon, ein Gedicht ein Gedicht, es steht in der Zeitung: Ein Teppichhändler hat Insolvenz angemeldet, auf dem Parkplatz werden die Felle versteigert. Es wäre gut, sich einmal mehr mit dem Film “Blade Runner” zu beschäftigen, auch wegen des ebd. propagierten Neopidgin. Müssen wir alle lernen. Müssen alle flexibler werden, müssen alle weniger schlafen essen und mehr Internet immer auf dem Weg zur Arbeit. Heute eine Krähe an einer Zigarettenkippe, dann krähend, dann kommt die Bahn (flattert sie schwarz auf das Dach der Haltestelle). Alles in heller Auflösung, durchwachsener Speckhimmel.

Angefangen Proust zu lesen, aber eine Unsicherheit ob dies möglich ist, zwischen den Stühlen, zwischen den Welten und überhaupt zwischendurch, den Text zu durchdringen, jedoch muss ja damit einmal begonnen werden. Also jetzt. Und statt Chinesisch lerne ich nun Schwedisch, das wird helfen, bei allem.

langsames herantasten an die gegenwart.

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Während ich auf dem Rad sitze und in den Morgen dampfe, Nebel von mir gebe, ist der innere Alleinunterhalter mit der Morning-Show auf Sendung. Eine Erledigung in einer Schule; Die Düsternis des Sekretariats, in dem das Radio der Heimatsender; Ein Hundskelett schaut traurig aus dem Fenster des Bio-Raums, ganz kalt ist dem im Herbst. Die mutigen Kinder setzen ihm Mützen auf, die traurigen und ängstlichen besucht er Nachts im Traum und schaut sie an mit Knochenaugen. Der Gong zum Pausenende ist verstimmt auf dem letzten Ton, ganz ins Moll hinein eröffnet die dritte Stunde, erinnert an den Westminster-Schlag (überhaupt ein Thema des inneren Monologistikers an diesem Morgen: Königreich Großbritannien und Irland.) Aus den Fenstern scheinen die Ordner der Regale in die morgengraue Straße auf dem Weg ins Zooviertel, hindurch die Annenstraße wo ich wohnte, roter Backstein mit gelben Stitches, die Ellernstraße (Die zweite Straße die ich mit Namen kannte – von Gängen zum Spielplatz im Stadtwald). Kommentar der Synchronstimme wie man dort Arbeiten würde, was das für ein Leben wäre, mit solcher Arbeit als Strukturelement, in einem solchen Büro, es liegt immer alles ein Stück weiter in der Vergangenheit, es ist alles noch nicht ganz so schnell, in meiner Vorstellung. Etwa als die Telefonkarten eingeführt wurden, oder als die Busse noch mit Diesel fuhren und noch nicht mit Erdgas und Düsentrieb. So geht es dann den ganzen lieben langen Tag über, ohne Unterlass, ein Text der sich aus sich selbst hervorbringt; Die Stadt und die Straßen und die Wetter als Muster und ausgelagertes Gedächtnis, aber auch Wunschvorstellung und Projektionsfläche; Als wir gestern durch den Wald nachhause fuhren und die Krähen gerade die kalte Nacht begrüßten;

(Des Vogels) Himmelreich ist sein Himmelreich.
Des Vogels Vogel ist ein Vogel.
Die Taube auf dem Dach
 ist des Menschen Himmelreich.

Auf dem Balkon am morgen die Meisen, im Hinterhof die jungen Drosseln und Amseln, die sich Tagelang um die Wipfel und Sträucher stritten, nun ist es abgemacht. Dagegen die Menschen: Man blickt mich weiterhin misstrauend an, wenn ich ein Foto mache von einer Sache, die mit Kreide auf die Wand geschrieben wurde, denn diese Sache ist ja nichts Wert, ein Rauschen in den Augen nur der Vielen. Gestern einen Japaner gesehen mit Lederjacke und Cowboystiefel, die Welt hätte gleich sich pulverisieren sollen zu grobkörnigem Schwarz/Weiss eines 80er-Jahre-Independent-Films, mit dem Herbstlicht der tiefstehenden Sonne und allem,

Die Erinnerungen:

dauern alle jeweils 1/10 sek., dann sind sie schon vorrüber und wir schauen verwundert mit den Augen. Am Morgen aber, wenn ich im Herbst durch den Wald fahre mit dem Rad atme ich mit einem Atemzug alle vergangenen Herbste bis zum heutigen Tag ein das das Herz fast. An einem Tag entscheidet es sich in jedem Jahr, dass die Blätter nicht an den Bäumen hängen bleiben werden. Das ist dann der traurigste. Heute eine Postkarte erhalten aus Tralien, darauf der Kilimandjaro abgebildet. Sie haben Krokodile gegessen und Schlangen. Hier wäe wiederum einiges nachzutragen, der Vollständigkeit halber, und ich fasse mich an die eigene Nase aus diesem Grund. Das Notizbuch aber füllt sich von selber mit frohen Gedanken an die Zukunft, seitdem ich es mit grüner Folie und grauer Folie beklebt habe. Und unterwegs sein, in der Stadt, sich vorstellen wie alles in den Zustand der schönsten Improvisation übergeht, unmerklich zunächst und mit einem großen Knall. So sind die Fotografien beschaffen, die ich anfertige auf den Streifzügen durch die Straßen: Heute am Hauptbahnhof (hier geht ja alles seinen gewohnten Gang) eine eingezäunte, giftgrüne Wasserlache fotografiert und mir gedacht das die Erde sich nun auftun wird und offenbaren, was sich unter ihr befindet: Einkaufszentren nämlich, deren Wege gepflastert sind mit dem feinen Marmor der Verbindlichkeiten, die sie erbauten und am laufen halten, leere Versprechen und ein Schatz im Quecksilbersee, Taucher gesucht auf 400 Euro-Basis, Hutmacher und Buchmacher und das Interface steht noch auf  Sommerzeit und zeigt somit die tatsächliche Zahl der Sekunden an, die vergangen sind an diesem Tag, bis jetzt, und

[Die Blätter noch ganz grün]

Als wir am Abend noch einmal einer Erledigung nachgehen, schnell und an der großen Straße: In einer Küche sehe ich eine Frau, die ihrem Mann die Haare schneidet. Ich sehe den Mann an der Tankstelle stehen, der jetzt nicht weiss wo er hingehen soll, und einen auch in einer Hofeinfahrt, er blickt auf etwas, das in seiner Hand liegt, Wechselgeld oder eine kleine Portion Drogen, im gelben Geistlicht. Die Platanen wurden geschnitten, Haufen von Laub und an einer Stelle kleingesägte ÄSte liegen neben den Bäumen. Überlege, ein oder zwei mitzunehmen, um sie zu haben und vielleicht in einem Paket zu verschicken an abwesende Freunde. Die leider alle die Stadt verlassen haben, bevor

Vorgestern

auf dem Friedhof gewesen, hätte die liebe Oma Geburtstag gehabt (sie wäre nun 93 Jahre geworden): Kurz vor sechs Uhr am Abend erst aus dem Bus dort gestiegen. Stille und ein grünes, trockenes Grau umher, Lärchen und bunte Steine auf der einen Grabstätte. Halbsymetrie, anonyme Urnengräber, Arten von Hecken, insgesamt: Ein recht angenehmer Ort. Hier möchte man sein, lebendig auch gerne, weite Flächen und nichts, was unnötig aufregen würde. (Wie Du geschaut hast), auf dem Weg dort hin, Dein Weg in die Stadt vor 2 Jahren noch. Das alles wird sich ergeben müssen, wenn eines zum anderen gezählt wird. Am Samstag mit K. auf einer Versammlung gewesen, nach dem Markt. Plane weiterhin, die Aufzeichnungen möglichst abzutippen und eine Untertunnelung der hier versammelten Texte, Geheimgänge und Teleportationsstellen, versteckte Gedichte die mit “noindex” gekennzeichnet sind und die also niemals jemand lesen wird. Singende Drähte und schwimmende Steine auf dem See, Erinnerung an jeden einzigen Augenblick. Es ist alles auf Holzpfählen errichtet und befindet sich im Umbruch, ein Haus kann leicht ein Schiff werden (wenn man den Architekten frühstückt, entschuldigen Sie also die hier sonst unübliche Baustellenmetaphorik): Dennoch findet das Leben weiterhin morgen erst statt, wie sich auch an den spärlichen Eintragungen hier erkennen lässt: Im Notizbuch, das ja die erste Wahl ist als Erinnerungsinstrument, sieht’s nicht viel besser aus, und selbst die Uhrlief nicht am Montag vor lauter Erschöpfung, wie es sonst sein sollte. Vielleicht ziehe ich den Regulator heute einmal auf und gebe dem Zeiger einen Schubs, damit es weiter geht. Vorher muss ich mich aber am Rücken kratzen.

Ruhestand.

Mein vor fast genau zwei Jahren über 80-jährig verstorbener Großonkel ist bei “Marktplatz Mittelstand” und in einem ein großes Telefonbuch plagiierenden Branchenbuch eingetragen. Mit vorletzter Anschrift und Telefonnummer, Branche “Beratung”.