Vorsicht, frisch gebohnert!

Die Welt ist etwas aus dem Gleichgewicht geraten, in dieser Zeit in der wir vom Eingemachten leben, was keine dicken Bohnen oder saure Gurken sind, sondern. Vielleicht würde eine Ausflug ins Ungewisse, auf das schwankende Selbst reflektierende spiegelblanke schwarze Flächen ja Abhilfe schaffen und das rechte Lot widerherstellen.


(Foto © creative commons by dsa66503)

Daran auch gedacht: Als ich das Video und insbesondere das schöne Foto hier gesehen habe: Wie wird das eigentlich saubergemacht, in den Deichtorhallen am angegebenen Ort? Wird ebd. gebohnert? Ein Wort, das die Alten benutzt haben, ein weiter nicht bedeutetes Wort das etwas mit Bohnen zu tun haben musste, so dachte ich (und auch die Etymologen, neben anderen Gemüseforschenden deuten durchaus verschieden) jedenfalls. Zu den Worten die in die Welt fallen und dort ihr Wesen und Unwesen ist später auch noch mehr.

Das Bürstensortiment inspiziert im großen Supermarkt an der großen Straße, ich gedenke, in naher Zukunft einige anzuschaffen und da muss man sich beizeiten informieren, willst Du eine gute Bürste sein. Die Augen sie üben sich derweil in einer Verschleierungstaktik, widerholt, die Welt vorzuenthalten oder zumindest Teile derselben. So weit die müden Beine tragen, der Drahtesel hinter der Möhre herfährt an der breiten Straße entlang. Das tatsächlich Eingemachte ist tatsächlich begrenzt, das geistig konservierte in unendlicher Vielvalt und Schönheit vorhanden. Heute im Schwedenradio faktiskt etwas verstanden. Es wurde der Frau am Telefon, welche bereits die ganze Zeit vom Kiwi-Vogel erzählte (Für mehr zu diesem Tier langen die spärlichen Kenntnisse noch nicht) berichtet, dass Tomaten zur selben Familie gehören wie Kartoffeln. Und auch Tabak. Woraufhin sie fragte, was denn mit Bananen wäre – das jedoch sei Obst.

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Dieser Tage

Auch hatte ich gestern Abend durch eine glückliche Fügung ein mir noch nicht bekanntes Blog in den RSS-Leser getan und las so froh die letzten 25 Einträge eines fremden Menschen. Da dieser [wie ich nun einmal gezwungenermaßen auch] nicht sehr oft etwas zu schreiben scheint, brachte mich das schnell zum Januar des letzten Jahres zurück und zu guten Gedanken über die Ewigkeit, die ja nur einen Mausklick entfernt ist immerzu. So saß ich also dort, im ersten Hinterhaus, in dem Büro zwischen den Höfen. Es sind sehr viele Fenster zu allen Himmelsrichtungen. Der hinterste Hof ist als Parkplatz eingerichtet, außer der durch eine hohe Mauer und Bambusgestrüpp abgegrenzten Freifläche eines Restaurants dient er als Parkplatz und Rauchgelegenheit der Angestellten aus den Geschäften zum Steintor hin. Es ist der Hinterhof des Discounters, des Waffenhändlers und des Ein-Euro-Shops in dem ich einst eine Kassette kaufte “101 North American Bird Songs” um möglicherweise dereinst eine Vergleichsfolie zu haben für Präzisionsmessungen der Hintergrundstrahlung (das Rauschen des Universums im Radiogerät), die ich anzufertigen mir vielleicht vornehmen könnte; Ein schmuckloser Platz, der auch an einer durch eine niedrige Mauer nochmal abgegrenzte Stelle als Lagerplatz für Müll und Bauschutt in oder außerhalb der dafür vorgesehenen Behälter dient. In den höheren Stockwerken liegen auch Wohnungen, die einem zu Herzen gehen können: An einem der Fenster, im 6. Srock unter dem Dach, wurden künstliche Sprossen aufgeklebt und es hängen Rüschengardinen darin, denen man den Gilb bereits aus der Ferne ansehen kann. Dahinter, auf der Fensterbank stehend, ein Wasserkocher, Blumenvasen, eine Teekanne etwa. Zwei Stockwerke darunter die heringssalatrosanen, ehemals roten Gardinen, die viel zu kurz sind und nur behelfsmäßig in der Mitte der Fenster befestigt. Auf dem Balkon eines anderen Hauses hängt die bleiche Flagge des einst so stolzen spanischen Königreiches am aus fahlem, gelbem, mit einer Flechte bewachsenen Kunststoff bestehenden Dach angehängt. Auch ein gerupfter Sichtschutz aus Schilfgras steht dort, in einer Ecke jedoch, sowie zwei Monoblock-Stühle an einem Tischchen, das mit einer grünweiss karierten Wachsdecke vor der Witterung geschützt ist.

What more do I have to say.

Ich hatte mir gerade die Jazzsendung angemacht, dann kam der Moment in dem alle ruhig waren, eine ganze Weile lang, nur hier und da ein Klick und ein Tipp. Und durch das geöffnete Fenster zum trüben Hinterhof pfiffen es die Spatzen nochmal und nochmal von den Dächern. Die Stadt machte dann Tatütata und Ella sang “Summertime” dazu; dabei ist erst April. Als ich dann nachhause fuhr, regnete es.

Einige Tage später dann, am Morgen, an der großen Straße entlang auf Höhe Conti kommt aus der Phillipsborn ein dickliches Mädchen auf einem quietschenden Rad gefahren, angetan mit einer Trainingsjacke mit appliziertem Kronenlogo tritt sie mächtig in die Pedale, wird fast von einem Benz-Geländewagen erfasst, als dieser auf den Parkplatz des TCH einbiegt, flucht und nimmt es zum Anlass, auf die dreispurige Straße zu wechseln und dort auch zu bleiben bis zur Unterführung am Fixpunkt, dort unter den donnernden Zügen verliere ich sie aus den Augen, fahre auch die andere Strecke (hier an der Ecke allmorgendlich durch Brötchenduft und Architektur eine Erinnerung an ich weiß noch nicht was). An den Briefkästen des Postbank-Hauptgebäudes sehe ich sie, wie sie außer Atem den Brief endlich in den gelben Kasten schmeißt.

So vergehen die Tage in dieser Zeit, die der Wind vor sich hertreibt zusammen mit den leichten gelben Wertstoffsäcken, die noch von Gestern am Wegrand standen.

Gerade am Spielplatz im Park gesessen, der alte Stadtstreicher mit den ganz grauen, langgelockten Haaren, der breitete eine Unterlage (um nicht zu sagen eine Decke) auf dem Rasen aus neben seinem Einkaufswagen. Darin, ich hab es genau gesehen, bewahrte er neben diversen Plastiktüten ein Paar Ski auf, inklusive Stöcke. Kein Foto. Auf dem Klagesmarkt wurde bereits das Festzelt zur Veranstaltung am Tag der Arbeit aufgebaut. Die alte Dame kommt mir wieder in den Sinn, die vor dem einige Tage zuvor niedergelegten Kranz am Gedenkstein der Gewerkschaft steht, die verwelkenden roten Nelken betrachtet. Den Arm trägt sie in einem Dreieckstuch und mit dem Gummifuß ihrer Krücke rückt sie die Schärpe zurecht, um die Aufschrift lesen zu können.

[In der eigenen fremden Stadt]

Auf Textrecherche am Abend [17.4.] mit dem Rad durch die halbe Stadt und ich vergesse immer wie groß die doch ist. Erst die Celler Straße runter, an der Apostelkirche vorbei und zur Eilenriede, dann schön immer am Waldrand langgeradelt durch das Grün, am Freizeitheim vorbei und weiter, immer weiter bis zur Herman Bahlsen Allee. Kurz verfahren, ich konnte aber dadurch eine schöne Aufnahme machen von einem singenden Haus. Lüftungsröhren durch die der Wind geht. Hab ich noch nicht gehört. Nachdem ich einmal um den ganzen ganzen großen Klinik-Komplex rumgefahren war hab ich mich auf Umwegen hintenrum zur Bibliothek durchlabyrinthiert. Bestimmt leben hier Menschen und niemand weiß das sie das tun, wie es auch auf den Flughäfen immer wieder vorkommt.




Auch in die Busse ganz verliebt. Gedacht mal einen Tag nur darauf zu verwenden, mit dem Bus durch die ganze Stadt zu fahren. Es gibt Linien, die habe ich noch nie benutzt und ich weiß auch garnicht wie es dort sein könnte wo sie hinfahren, ich bin ja schon erstaunt von den Orten, an denen ich schon gewesen bin, dazu muss ich nur einmal an einem anderen Tag von einer anderen Seite aus dort hin fahren, oder das Licht ist gerade sehr besonders, oder es ist gerade sehr kalt zu dieser Stunde. Gewesen. Der Bus mit der Numme 123 fährt am Funkturm vorbei, von dem habe ich eine Fotografie erstellt. Wie leicht einem doch das Fotografieren gemacht wird heutzutage.

Im Bibliotheksgebäude im falschen Stockwerk abgebogen. In einem Raum stehen Sessel und Couchtische, die zum Aufenthalt dienlich sein sollen. In einer Glasvitrine sind ausgestellt ein Zirkel, ein Morseapparat sowie ein Gerät, das ich nicht zuordnen konnte und das mir ein wenig Angst. Ich glaubte, damit tut man Pferden oder Menschen etwas.


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(Siehe auch: [Gesten])

[Gesten]

In letzter Zeit ganz besonderer Augenmerk auf Gesten: Der Busfahrer, der seiner Bekannten an der Fußgängerampel zuwinkt. Bevor der den Wagen schwerfällig um die Ecke fährt, und dann ins Busdepot, wo gebaut wird, eine schöne Mauer durch eine hässliche ersetzt wird. Wohnungen sollen hier sein, so hörte ich, die Entfokussierung des Viertels weiter zu bringen mit Wohnungen für Menschen, die sich in Ihnen, wenn überhaupt, nur am Wochenende aufhalten, sollte nicht einmal wieder eine Deadline die Zähne. Neben dem Discount-Markt in unserer Straße ist dies schon passiert; Und dann hält der Phaeton mit dem Berliner Kennzeichen vor dem Altglascontainer, Frau Manager stöckelt über die Straße und wirft mit angespitzen dreifingrigen Händen, auf einem Bein drei Flaschen in die kugeligen Container. Die Frisur kostet 120 Euro, da kann man dann doch nicht. Lachen mussten wir da, als ich Dir das noch einmal zeigte während wir gingen, und der Wagen fährt im Gangstertempo an uns vorbei.

Anderntags: Das Mädchen mit den schwarzen Leinenschuhen und weißem Rand an der Sohle, die sich, als sie ihre Haare zusammensteckt hoch oben in der Luft, leicht wippend ein wenig vom Fußboden abhebt mit den Fersen, den Rücken streckend damit sie oben anlangt, in der Luft. Da wäre noch so viel.

Bei der Ärztin die Menschen mit den unsicheren Körpern, während ich nachdenke über die Jagd nach den Gespenstern, der Junge mit den ungelenkten Händen die ineinander greifen und sich nicht fassen können, vollständig, das es ihm sicher wäre dabei, begleitet von der Mutter. Und unten vor der Apotheke, wo die Chinesen gerne Fahrräder klauen würden, sehe eine andere, die den Vater bei sich hat, in einem prächtigen Trachtenanzug der jedoch Arme und Beine um so mehr noch schlenkern lässt als wäre an seinem Kopfe eine Stange und er scheuchte die Vögel noch über das Feld mit den Armen und Beinen mit Stroh gestopft, die Krähen und Raben. Die Versehrten mit den Schwimmhäuten zwischen den Fingern (die zur Kralle werden) und des weiteren mehr, die Kafka in seinen Text hineinschrieb, die durch ihre Ungewohntheit selbst schon eine Bedeutung sind. Über sie und die Interpretation des Textes als “Komplex von Gesten” schrieb Walter Benjamin:

“Eine der bedeutsamsten Funktionen dieses Naturtheaters [von Oklahoma, "Der Verschollene"] ist die Auflösung des Geschehens in das Gestische. Ja man darf weitergehen und sagen, eine ganze Anzahl der kleineren Studien und Geschichten Kafkas treten erst in ihr volles Licht, indem man sie gleichsam als Akte auf das Naturtheater von Oklahoma versetzt. Dann erst wird man mit Sicherheit erkennen, daß Kafkas ganzes Werk einen Kodex von Gesten darstellt, die keineswegs von Hause aus für den Verfasser eine sichere symbolische Bedeutung haben, vielmehr in immer wieder anderen Zusammenhängen und Versuchsanordnungen um eine solche angegangen werden. Das Theater ist der gegebene Ort solcher Versuchsanordnungen.”

Walter Benjamin: Gesammelte Schriften II· I.
Herausgegeben von Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser, Seite 418.

Da haben auch zwei die Verwendung von Gesten bei Raben erforscht, die auch schwarze Vögel sind.

“Sie beobachteten, dass Raben ihre Schnäbel ähnlich wie Hände einsetzen, um Objekte wie zum Beispiel Moos, kleine Steine und Zweige hochzuhalten und einander zu zeigen. Diese Verhaltensweisen waren vorwiegend an Individuen des anderen Geschlechts gerichtet und führten dazu, dass sich die Empfänger des Signals zu den signalisierenden Individuen hin orientierten. Anschließend interagierten die Raben miteinander, zum Beispiel durch Schnäbeln oder gemeinsames Bearbeiten des Objektes.”

Max-Planck-Gesellschaft [Simone Pika & Thomas Bugnyar]:
“Schau Dir das an!” – Auch Raben verwenden Gesten

Und dann noch: Die große Geste der Stadt, die sie macht wenn ein Zug einen anderen überholt und die Autos unten drunter hindurch. Wenn derjenige auf dem Fahrrad unter der Brücke hindurchfährt und der Verkehr drönt seitlich in seine Ohren und ein S-Bahn von oben und der Lärm ist die Musik, die überall zu hören wäre. Und alles ballt sich zusammen und deutet auf das Herz aus Beton unter der Erde, und die berühmte Filmszene, der Hausdurchbruch und die Dampflock fährt mitten hinein in das Haus und dann an der anderen Seite wieder hinaus, wie die Menschen dann in den Wohnungen sitzen. Und Abends wenn sie alle strömen, aus den U-Bahnen in der Dämmerung in die Straßen hinein, einige warten noch auf den Bus und andere gehen schon so zu Fuß weiter dann. Ist dort das Café, in dem wir uns das letzte mal getroffen haben, die Lichter gehen an hinter den Fenstern der Wohnhäuser und jedes ist ganz für sich. Blickt hinein in das gewohnte, das Leben, zieht dann den Vorhang zu vielleicht.

[18 ys.]

Storm clouds brooded over Elliot Bay and Lake Washington, yet it was still sunny.

Gleich kommt die Pizza

Zuvor aber noch: 10 Jahre mach ich das jetzt hier.  Zeit für einen Rückblick (hab ich jetzt grad keine). Zwar hat es größtenteils Spaß gemacht. Könnten paar mehr Leute kommen, aber ach. Dafür hat es mich wieder zum Schreiben gebracht und damit hör ich jetzt auch nicht wieder auf. Vielleicht mach ich mal was auf Papier. Das ist geduldiger. Über den Köpfen Europas schwebt ein Fass ohne Boden.

Omen soit qui mal y pense.

Heute Nacht geträumt einen Roman zu schreiben (der war schon fast fertig) und dann ist jetzt Welttag der Poesie.

Neulich im Kalenderreformhaus

Es ist erforderlich, um der Symbolik gerecht zu werden (Vieles ist Symbol und nur eine abstrakte Sache) heute etwas zu schreiben, um der einmal hier eingeführten Kategorie 29ster Februar inhaltsfüllend nachzukommen so sigh us. Ein besonderer Tag, den es nur alle vier Jahre einmal gibt. Weil der gregorianische Kalender praktischerweise aus 365 Tagen besteht. Es fehlt jedoch zum Sonnenjahr die astronomische Summe von 0,2425 Tagen per Anno. Um der Sonne aber annähernd gerecht zu werden (und es ist mir als bekennender Heliozentrist ein Anliegen!) gibt es nun also das Schaltjahr. Früher habe ich mir dazu einen großen Schalter gedacht, der etwa an der Atomuhr angebracht wäre und den dann Helmuth Kohl einmal alle vier Jahre betätigt.

“Wir fordern: Gebt uns unsere Zeit zurück! Macht den 29. Februar endlich zum Feiertag!”

Pro Jahr fehlt uns also circa 1/4 Tag. Daher erklärt sich auch die ständige Zeitknappheit. Diesen Tag bekommen wir dann alle 4 Jahre am Stück zurück. Nicht jedoch unsere Zeit, denn dieser 29ste Februar ist ein ganz normaler Arbeitstag. Das ist das Problem, an welchem das kapitalistische Weltsystemendlich zugrunde gehen wird: Denn wenn man sich 4 Jahre bemüht hat, die fehlenden täglichen Minuten oder Sekunden (das hat noch niemand genau ausgerechnet) irgendwie auszugleichen, sollte man doch eigentlich für vorbildliche Effizienz belohnt werden von der großen Zeitmaschine, aber Pustekuchen!

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