//Diese Tür war nur für Dich bestimmt//

Kurz nur ein paar Worte, wie sie eben aus den Fingern fallen und liegenbleiben, eng beieinander, kalt und Nacht da draußen. So vieles bleibt jetzt wieder liegen, ich nehme es hin als wenn es in Ordnung wäre. Heute in der Firma, als der Kollege das 22. Türchen vom Abteilungsadventskalender öffnete, Kafka zitiert, es hat keiner verstanden. Das Schöne ist ja aber weiterhin das Staunen über diesen  ganz anderen Teil der Stadt und wie er ganz für sich halt auch dort steht. Feste Vornahme, nächstes Jahr ein wenig durch die Straßen zu streunern ebendort, man kommt ja am Kanal entlang fahrend auch sehr gut mit dem Fahrrad dort hin, neue Sachlichkeit durch und dann die Podbi hoch zu den Backsteinen. Der kürzeste Tag, den haben wir nun auch wieder hiner uns gebracht, es war garnicht schwer. Wo die ganzen Gedanken immer her kommen und die Träume. Heute in den Morgenstunden hat sich der Kopf ein neues Bild ausgedacht, um die eigene Unzulänglichkeit, das eigene Nicht-genug-sein und so weiter wiederum nicht sehr subtil darzustellen, nämlich indem ich etwas transportieren musste, wichtige Dinge, mit Sicherheit, und dann meiner Ledertasche der Boden gerissen war, so dass das Transportgut also beständig hinauszufallen drohte. während ein auch mitgeführter Beutel sich auch als ähnlich lückenhaft erwies. Das Unterbewusste gebiert sich, als wäre ich ein Faltspinsel, was mich langweilt und ich habe auch keine Lust, mir über diese offenbaren Ängste weiterhin Gedanken zu machen, denn es ist ja eigentlich alles gut, bis auf das Übliche halt, aber das Übliche ist halt auch nur das Übliche und dürfte mittlerweile auch altbekannt sein.

letting the cables sleep

Mein rechtes Bein ist eingeschlafen. K., mit dem ich, was ebenfalls ganz toll ist, einen regen Briefwechsel habe, oder auch Postkarten, jedenfalls geschriebene Sachen mit Briefmarken, bemerkte in seiner letzen Karte, die mich vor wenigen Tagen erreichte, erwähnte eine winterliche Melancholie, die aus den beiden Briefen spräche und ich solle mir eine neue Sonne suchen, scheine sie zu wenig. Es ist nicht schlimm, das er mich vielleicht ein wenig missverstanden hat. Die Traurigkeit der dunklen Monate, das Aufbrechen und zurückkehren nachhause in der Dunkelheit, die schwindelnde Müdigkeit am Morgen, die trockene Hitze der Heizung im Bus, das alles ist ja genau richtig so und es soll doch auch garnicht anders sein. Nicht auszudenken, müsste ich jetzt in die Südsee aufbrechen oder einen ähnlichen Quatsch veranstalten. Dieses Jahr ist nun bald zuende. Es gibt keine Neuauflage der Stockholmer Allee, mangels Gelegenheit. Es war ein Jahr voller kleiner Gegenbeweise, in dem ich an sehr vielen Tagen etwas gemacht habe, wovor ich mich am Tage davor noch fürchtete. Der Panzer ist dicker geworden und der Bart dichter und grauer. Ich stelle irdene Gefäße auf dem Boden des Zimmers auf und versammle dort die letzten Gedanken. Ein Jahr, in dem sich noch einmal gezeigt hat, das ich bei weitem nicht der einzige bin, der ein dunkles Geheimnis zwischen den verkümmerten Flügeln mit sich herumträgt, und das das eigene Dunkel nicht unbedingt das schwärzeste unter der Sonne sein muss, bei weitem nicht.

And what can I tell you my brother, my killer

Austers Fergusson aus 4 3 2 1 liest Kafkas »Verwandlung« (Es muss wohl die Übersetzung von Willa und Edwin Muir sein), eine Geschichte, die ich mir auch noch einmal und noch einmal durchgelesen habe. Überhaupt halte ich K. für hochaktuell. Dieses Jahr wohl zum zweiten Mal “Das Schloß” durchgelesen, zum ersten Mal in der “kritischen Ausgabe”. Das Buch steht, noch ins Packpapier gebunden, in dem kleinen Regal und darin sind kleine, etwas DIN A6 große, Zettel, auf denen ich verschiedenstes zu dieser unglaublichen Geschichte notiert habe, die wie ein sehr sehr langer, von Slapstick-Filmen inspirierter Traum anmutet, jedoch angefüllt mit seitenlangen Diamonologen voller Misstrauen und Schuldzuweisung. Ein gutes Lektorat hätte dem Buch zusätzlich einiges mehr tun können, aber auch so ist es eine hervorragende Parabell zur Systemtheorie, zu Identität und Selbst-Behauptung und darüber, wie Faschismus passiert, so wie es heute immer noch ist. Ich alleine, jedenfalls, kann die Welt nicht retten und habe da auch keine Lust zu.

my <3 and i have decided to end it all

Ich schreibe hier nicht alles auf, was über das Jahr liegenbleiben musste, das ist vergeben, vergessen und verloren. Der Kopf ist nur zum bersten angefüllt mit all diesen Eindrücken, mit neuen Eindrücken an jedem Tag und es ist eine große Freude, zugleich aber auch eine große Last, und wieder die Traurigkeit dabei.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.