Kauze wurden noch nicht gesichtet

… in unserem Hinterhof, aber als ich neulich nächtens den/das Radioessay „Nichts ist mir zu klein“ von Arno Schmidt hörte, (darüber dann doch einschlief, was an mir lag), in welchem es um den wohlgenährten Realisten Brockes und seine Naturbeobachtungen geht, musste ich sehr wohl an die Dohlen denken.

Die mir so ans Herz gewachsen sind, dass ich Menschen von Ihnen erzähle. Zumal obiges Foto an diesem Tag entstanden ist, wie auch eine weitere Tonaufnahme aus unserem Hinterhof: Den ich gerne mag: Gedämpft durch die Mauer des vorgelagerten Hauses ist das stete Rauschen der Vahrenwalder zu hören und die Straßenbahn: Auf dem Balkon blüht jedoch der Salbei, und Katzen teilen sich das Revier.

Der erfundene Satz, 11

„Wenn dann einmal Besuch im Bureau war, ließen die Kollegen die Fernsprecher an den leeren Tischen mit Hilfe des Hausrufs klingeln, eine Atmospäre der Geschäftigkeit dem ahnungslosen Besucher vorzugaukeln und so das Direktorium im Kampfe gegen den drohenden Bankrott zu bestärken.“

Aus: Vladímír Schztončz: „Die Rückwärtsakrobatik des Monsieur Goldesfinger“ Verlagsgesellschaft Roggenhausen & Cie., Wien 1985

Generation X

Douglas Campbell Coupland: „Generation X“,
Time Warner Book Group UK, London 1991, Seite 3.

neulich wurde ich von einer arbeitsfreundin der liebsten, diejenige fotografin ist,  aufgenommen. wie ich in meinem lieblingsbuch lese. dies allerdings war bereits eine schwere entscheidung, die ich niemandem wünsche. ich pendelte ja zwischen auster und coupland und irgendwem abgefahrenen unbekannten total coolen, (meine reputation in der aussenwirkung erheblich zu steigern). war dann aber ehrlich und entschied mich für den bestseller, der mir zur stichwortgabe „lieblingsbuch“ als erstes in den sinn gekommen war.

und jetzt lese ich das nach jahren wieder, zum ersten mal in der sprache in der es verfasst wurde und habe dazu einiges aufzuschreiben.

wie weit weg das inzwischen ist: wie merkwürdig, dass hier (und als ich das erstmalig las gerade eben erst) dieses internet noch garkein thema war: wie sehr aus einer anderen zeit es deshalb wirkt, bereits nach den ersten seiten, dies aber wohl dem eindruck geschuldet den ich noch von den jüngsten werken couplands im gedächtnis habe. wie ich mich damals, themenkreis literatur und identität/projektion, dort gut aufgehoben gefühlt habe, zwischen den zeilen: zwischen den begleitenden copy-art mäßigen grafiken, den neologismen, die in der art von lexika-einträgen begleitend aufgeführt werden. wie wahr das alles geworden ist. wie das damals war:

& wie ich immer noch ich selbst bin und dennoch wer ganz anderes: als ich einmal nachtwächter auf der cebit war dachte ich auch, dass dies das perfekte beispiel für einen dieser mcjobs wäre: der schlechtbezahlteste, mieseste job auf der weltgrößten *fucking* cutting edge computermesse der welt, in der durchschnittlauchsten metropole vom kompletten lonely planet.

und das ist nun also mein lieblingsbuch: auch deshalb, weil ich (u.a. in meiner mir gesellschaftlich zugedachten rolle als guter gymnasiast) zuvor natürlich vorzugsweise kafka-lesend versuchsweise stoisch in erscheinung zu treten mich bemühte: und herr coupland mir die tür aufstieß zu einer ganz anderen art von literaturen, die ich so nicht kannte, in der markennamen, fernsehen und marilyn monroe ganz selbstverständlich und selbstbewusst auftraten: die mich seitdem.

meine bis zur wand unter dem schreibtisch ausgestreckten füße (während ich dies hier niederschreibe:) sind angetan mit dem uniformen schuhwerk aller berufsjungendlichen der westlichen welt; chucks converse. made in vietnam.

[Das ist nicht die Sonne die untergeht, sondern die Erde, die sich dreht]

Sperrmüll auf dem Friedhof

Neulich war ich auf dem Gartenfriedhof, auf welchem eine Künstlergruppe mit Namen „Sport“ eine Ausstellung organisiert hat. Im Pressetext heißt es vielversprechend „Der Umgang und die künstlerische Auseinandersetzung damit lassen eine spannende und abwechslungsreiche Kunstbegegnung zu.“ Das hätte passieren können, mein Eindruck war jedoch das hier Sperrmüll zwischen alte Grabmale gestellt wurde und soweit so gut. Das kann ästhetisch reizvoll sein und bietet Raum für Gedanken. Über den Vergang der Dinge und ihr weiterbestehen nach dem Tod ihrer Besitzer, ihre Geschichte und all solche Sachen. Man könnte sich die Chaiselongue („Liebessofa“, Martina Vollmer) in einem klischéehaften Pariser Bordell imaginieren, beispielswiese. Gut gefallen hat mir aber z.B. die Neubeschilderung der Friedhofsabfallbehälter („Wandlung“, Anja Steckling), die sinnbildlich das Entsorgen (oder auch das Bewahren?) von mit dem Sterben verbundenen Empfindungen ermöglichen, die übrigbleiben, die nun nicht mehr geklärt werden können: Einer trägt das Schild „Nur Schuldgefühl“, ein anderer „Nur Zorn, Groll“, jeweils gegenübergestellt ein Behältnis mit den „originalen“ Auszeichnungen (Nur Glas, Plastik, Blech – Nur Pflanzenabfälle).

Weitere Werke stammen von Helen Acosta Iglesias, Vera Burmester, Andrea Eifler, Vrank Hühnerbein, Maja Nuttelmann und Ilka Theurich. Aufschreiben sollte ich ausserdem, dass am Abend vor meinem Besuch ein kurzer Sturm über die Stadt ging, so das vermutlich einige der Exponate ein wenig in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Vielleicht war also am Abend zuvor noch alles um einiges anders.

Alle Fotos die ich gemacht habe kann man sich hier ansehen. Die Ausstellung ist Teil der Veranstaltungsreihe Gartenregion Hannover, von der vermutlich später noch zu reden sein wird.

Wirklich schon wieder ein Jahr…

Bald ist ja schon wieder (#) Schreibschulenwettlesen in Klagenfurt. Und zwar vom 24. bis 28. Juni , was ich hier deshalb so fett hinschreibe weil die Leute die diese Internetseite dort machen offenbar davon ausgehen, dass eh alle das rot im Kalender stehen haben. Jedenfalls steht es nicht etwa an exponierter Stelle (hier ganz unten), dabei muss man das doch wissen für die Urlaubsplanung und um genügend Eimer gelber Farbe bereitzustellen. Interessant wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Berichterstattung zur Literatur und dem Internet.

(Via Gedankenträger (das nochmal nachlesen!) und das wiederum via mek)

Neulich in Oberricklingen

[21.4.] Die Jungen spielen in der Abendsonne Killerspiele nach, nur mit Händen, Geräusch und Ansage; "Das war der linke Arm, jetzt kommt das rechte Bein und jetzt der andere Arm".

Die Klinke der Kellertür wird genutzt, die Eingangstür des Hauses am zufallen zu hindern. Mit den Jahren hat sich an der Stelle, an welcher sie auf dem Holz aufsetzt, eine exakte Mulde gebildet, die dem Provisorium zusätzlichen Halt bietet.

Direkt um die Ecke befindet sich die „Schießanlage der Schützengesellschaft Oberricklingen von 1953 e.V.“

(Wie wenig hier möglich ist.)

Hier könnte ein längerer Text folgen, jedoch die Zeit die Zeit wird auch dies zu verhindern imstande sein (das alte Biest)

Nach den Öffnungszeiten der Museen gesehen, denn wir und unsere Bildungsbürgerbezugsgruppe planen einen Ausflug in die Kunst, A. jedoch kann in der Woche nicht und wir wollten uns eigentlich nicht mit den Kaffeefahrten in die Schlange stellen am Freitag und Samstag immerhin hat das Museum bis 22 Uhren die Pforten geöffnet in zwischen. Heute Nacht ein Gedicht geträumt, welches ich dem L. überantwortet hatte verfasst zu haben und dessen ich mich natürlich nicht entsinne, was mich jedesmal wieder ärgert, einzig zwei Zeilen weiß ich noch, „Zum täglichen Anspuckritual“ und „schläfst Du dem Koma entgegen“, es war jedoch ein Liebesgedicht, dessen bin ich mir ganz sicher. Befremdlich. Vorhin als ich kurz vor die Tür getreten war Lust gehabt loszulaufen, wir werden sehen was der Tag noch bringt. Gestern eine Massenmail an alle mir Emailadressenmäßig bekannten Freunde und Sonstige aus der Klasse geschrieben, wir wollen einmal versuchen ein paar Daten zu aktualisieren und vielleicht gibt es im nächsten Jahr ein Treffen im Mai, wir werden sehen. Immer diese unverbindliche Tonart die ich hier anschlage.

Ein idealer Morgen würde vielleicht so aussehen das ich im Bett liege und ein Fensterflügel ist leicht geöffnet (ich könnte mir einmal einen Tee kochen) von Draußen klingt der verregnete Verkehr durch die gezogenen Vorhänge, der Fernseher läuft und ich sehe mir „Scrubs“ an, schlafe jedoch vielmehr immer wieder für einen Moment ein während Du in der Küche mit einer Freudin telefonierst. Ich bin offiziel mit einem gelben Schein unterwegs, dass also der Tag weit vor mir liegt und ich mich entschließen könnte.

Gestern Nacht auf einem Zaun am Rosenbergplatz gesessen und ein letztes Bier getrunken.

Ein wenig abseits außerhalb des Geschehens fühle ich mich wohl in diesen Tagen, merke doch wie das Schreiben hier dazu beiträgt die Zustände zu klären, auch weil ich ungeordnet alles in den digitalen Kasten fallen lassen kann und dabei nur vorgebe, mich mit den fremden Federn der Chiffrage zu schmücken, dass ist alles nur Angabe, denn in Wahrheit ist es tatsächlich so konfus wie es erscheint. Die Milch ist fast alle und ich werde nachher im Supermarkt welche kaufen. Gestern, fällt mir gerade wieder ein, bemerkt, dass zumindest wenn man nicht sehen kann Supermärkte ganz und garnicht barrierefrei sind, weder kann man wisssen was sich in den Packungen verbirgt (Schnapps oder Haushaltsreiniger?) noch was es kostet.

In unserem Hinterhof nistet ein Päärchen Dohlen, dass finde ich sehr schön. Hier kann man sie hören.